Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

 

Das Leben und die Lehren des Heiligen Propheten Mohammad  (Friede sei mit ihm)

von

Hazrat Mirza Bashiruddin Mahmud Ahmad Khalifa tul Massih II (1889-1965)

Inhalt

  1. Geburt
  2. Seine erste Erziehung
  3. Seine Humanität
  4. Seine Ehe mit Khadija
  5. Befreiung der Sklaven
  6. Sein zurückgezogenes und beschauliches Leben
  7. Die erste Offenbarung
  8. Seine Berufung
  9. Abu Bakr schliesst sich ihm an
  10. Verfolgung
  11. Seine Art der Annäherung
  12. Misshandlung seiner Anhänger
  13. Seine Mission
  14. Heidnischer Glaube seiner Landsleute
  15. Flüchtlinge nach Abessinien
  16. Schwere Zeiten in Mekka
  17. Die verführerischen Anerbieten
  18. Blockade und Boykott
  19. Seine Reise nach Taif
  20. Verbreitung des Islams nach Medina
  21. Seine Flucht nach Medina                                                                    Startseite
  22. Wahlkönig von Medina
  23. Der Begriff Gottes
  24. Die mekkanische Feindschaft
  25. Die Ohud-Episode und die Treue seiner Anhänger
  26. Seine humanen Gesetze
  27. Seine edelmütige Behandlung der Mekkaner
  28. Sein Charakter

 

 

 

 

 

Geburt

 

Vor etwa 14 Jahrhunderten, um es genau zu sagen: am 20. April 571, wurde ein Kind geboren in Mekka, einer Stadt in Arabien, ungefähr 65 km landwärts von den Ufern des Roten Meeres gelegen. Ein Kind, eins von den Tausenden, die jeden Tag zur Welt gebracht werden, aber für das die Zukunft vieles Überraschende und Wunderbare in ihrem Schosse verborgen hielt.

Die Mutter des Kindes heiss Amnah, und die Namen seines Vaters und Großvaters waren Abdullah bzw. Abdul Muttalib. Die Geburt des Kindes verursachte gegensätzliche Empfindungen in den Herzen seiner Angehörigen, Gefühle der Freude und des Schmerzes. Freude, weil ihnen ein Kind geboren war, das die Linie seiner Vorfahren fortsetzen und ihren Namen in der Welt lebendig erhalten würde. Schmerz, weil das Kind seine Mutter an ihren liebenden und geliebten Mann, seinen Großvater an einen gehorsamen Sohn erinnerte, der die Welt vor der Geburt seines Kindes verlassen hatte. Seine Züge, sein gewinnendes Lächeln, der erstaunte Blick seiner Augen, womit er diese fremde Welt betrachtete, in die er erst vor kurzem eingeführt worden war, kurz, alles, was ihn betraf, erinnerte die betrübte Frau und den trostlosen Vater an den jungen Gatten und Sohn, der vor sieben Monaten die Seinigen verlassen hatte und zurückgekehrt war zu seinem Schöpfer. Freude jedoch gewann die Oberhand über den Schmerz, denn die Geburt des Kindes verbürgte ihnen, dass der Name der Verblichenen nicht in Vergessenheit geraten würde. Sein Grossvater gab diesem Kinde, das als Halbwaise geboren wurde, den tarnen Mohammad, und es wuchs auf, gepflegt von der Mutter und von seiner Amme, die sein Onkel für es bestellt hatte.

 

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Seine erste Erziehung

 

Es war Sitte bei den Bewohnern von Mekka, die Pflege ihrer Kinder Ammen vom Lande anzuvertrauen, damit sie die Vorteile der frischen Landluft geniessen möchten und die Nachteile der dumpfen Stadtluft vermeiden. Frauen aus den Dörfern innerhalb 50-60 km von Mekka pflegten von Zeit zu Zeit in die Stadt zu kommen und Neugeborene mitzunehmen, um sie zu pflegen, und wenn sie diese zurückbrachten, nachdem die Säuglingsperiode vorüber war, wurden sie von den Eltern der Kinder entsprechend belohnt. Als diese Frauen nach Mekka kamen nach der Geburt Mohammads, wünschte seine Mutter auch sehr, seine Pflege irgendeiner Bauernfrau anzuvertrauen, aber wenn eine Frau hörte, dass das Kind eine Halbwaise sei, weigerte sie sich, die Pflege zu übernehmen, aus Furcht, dass sie, da des Kindes Vater gestorben war, nicht entsprechend belohnt werden sollte für ihre Pflege. Diese Waise, die vorbestimmt war, Herr über Könige und Kaiser zu sein, wurde jeder Frau der Reihe nach angeboten und von jeder abgewiesen. Wunderbar sind in der Tat die Wege der Vorsehung. Gott hatte schon für Mittel gesorgt, das Herz der Mutter dieses gesegneten Kindes zu trösten und seine Pflege auf dem Lande zu sichern. Unter den Frauen, die bei dieser Gelegenheit nach der Stadt gekommen waren, um Pflegekinder mitzunehmen, war eine gewisse Halima, die eine arme Frau war. Wie das Kind Mohammad jeder Frau angeboten und von allen abgewiesen wurde, so ging diese Frau von Haus zu Haus, um einen Säugling zu suchen, aber wurde enttäuscht fortgeschickt, da sie arm war, und niemand die Pflege seines Kindes armen Leuten anvertrauen wollte. Da sie an jeder Türe zurückgewiesen worden war, beschloss sie, dieses vaterlose Kind mitzunehmen, um dem Spott ihrer Genossinnen zu entgehen.

Als für Mohammad die Säuglingsperiode vorüber war, brachte Halima ihn zurück zu seiner Mutter, die ihn mitnahm zu ihren Eltern in Medina. Nach einem kurzen Aufenthalt in Medina kehrte sie mit dem Kinde nach Mekka zurück, wo der Tod sie ereilte. Im Alter von sechs Jahren war Mohammad also beraubt von der liebevollen Pflege seiner Mutter. Hierauf führte man ihn zu seinem Großvater nach Mekka, aber auch dieser starb innerhalb von zwei Jahren, als Mohammad erst acht Jahre alt war, und die Pflege wurde fortan von seinem Onkel, Abu Talib, übernommen. Er wurde also nacheinander der zarten Sorge derjenigen beraubt, die ihn am meisten liebten, bis er zu den Jahren der Vernunft gekommen war.

Die Heime, worin er seine Kindheit verbrachte, waren weder reich noch gebildet. Zum Beispiel wurden die Mahlzeiten in diesen Häusern nicht in ordentlicher oder regelmässiger Weise aufgetragen. Die finanzielle Lage und die gesellschaftlichen Sitten des Volkes ermunterten nicht zur Einhaltung moderner Tischsitten. Zur Zeit des Mahles versammelten sich die Kinder um die Mutter und schrien nach Essen, und jeder versuchte, sich einen grösseren Teil zu erhaschen als die ändern bemächtigen konnten. Abu Talibs Magd erzählt jedoch, dass Mohammad nie dieser Sitte folgte. Während die ändern Kinder sich in ungebührlicher Weise um das Essen balgten, pflegte er ruhig ganz allein zu sitzen, wartend, bis seine Tante ihm sein Essen gab, und was man ihm auch gab, das ass er mit Vergnügen.

 

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Seine Humanität

 

Im Alter von 20 Jahren schloss er sich einem Verein an, dessen Mitglieder sich eidlich verpflichten mussten, wenn man an sie appellierte, denen zu helfen, die unterdrückt wurden, zu welchem Stamme sie auch gehörten, und ihnen den Genuss ihrer Rechte zu sichern. So pflegte er, selbst in der Jugend schon, wenn er erfuhr, dass jemand von einem ändern unterdrückt wurde, sich der Sache des ersteren anzunehmen, und war nicht befriedigt, bevor er ihm alle seine Rechte gesichert hatte.

 

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Seine Ehe mit Khadija

 

Seine Wahrheitsliebe, Redlichkeit und Güte in dieser Zeit seines Lebens trugen ihm die Titel des «Wahrheitsliebenden» und des «Zuverlässigen» ein. Als die Reinheit und Redlichkeit seiner Lebensrührung allgemein bekannt wurde, beauftragte ihn eine reiche Händlerin aus Mekka, mit Namen Khadija, für sie eine Handelsreise nach Syrien zu unternehmen, für einen Anteil am Gewinn des Unternehmens. Sie schickte auch einen ihrer eigenen Sklaven mit, ihn zu begleiten. Mohammad rührte seinen Auftrag mit solchem Fleiss und solcher Ehrlichkeit aus, dass das Unternehmen einen viel grösseren Gewinn zeitigte als Khadija erwartet hatte. Seine Freundlichkeit und Höflichkeit gewannen das Herz des ihn begleitenden Sklaven, und bei der Rückkehr nach Mekka sprach er ausführlich mit Khadija über die Reinheit und Hochherzigkeit Mohammads. Dies rührte Khadija derart, dass sie Mohammad ihre Hand antrug und von ihm angenommen wurde. Zu dieser Zeit war Khadija (Gott möge ihr gnädig sein) vierzig Jahre alt, und Mohammad (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) war erst fünfundzwanzig.

 

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Befreiung der Sklaven

 

Die erste Tat Khadijas nach ihrer Ehe mit Mohammad war, dass sie ihren ganzen Reichtum, einschliesslich ihrer Sklaven, zu Mohammads Verfügung stellte, der sogleich alle Sklaven in Freiheit setzte, und so in seiner Jugend vollbrachte, was älteren Oberhäuptern in langer Lebensdauer nicht gelungen war zu vollbringen, nämlich der Wurzel der Sklaverei einen tödlichen Hieb zu versetzen, in einer Stadt, wo die Institution der Sklaverei die Grundlage der ganzen Gesellschaftsordnung war und unentbehrlich für deren Fortbestand.

 

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Sein zurückgezogenes und beschauliches Leben

 

Eine Betrachtung der Übel, die sein Land befielen, machte ihn traurig und er pflegte sich in einer Höhle auf dem Gipfel eines Berges, 5 km von Mekka, Hira genannt, zurückzuziehen, wo er nachdachte über die Lage seines Landes und die Vorherrschaft der Vielgötterei und sich der Verehrung des Einen Ewigen Gottes widmete. Er fand solchen Trost in diesen Andachtsübungen, dass er oft soviel Lebens-mittel mitnahm, dass er genug hatte, um sich mehrere Tage zu ernähren, und er verbrachte lange Zeit in der Höhle in Verehrung und Anschauung des Allmächtigen.

 

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Die erste Offenbarung

 

Als er das vierzigste Jahr erreichte, erhielt er eine göttliche Offenbarung des folgenden Inhalts:

Bete Gott an und bitte Ihn um geistigen und intellektuellen

Fortschritt und um die Erwerbung solcher Lehren, die noch nie früher der Menschheit offenbart worden sind.

Als er diese Offenbarung erhielt, fühlte er sich niedergeschlagen und begab sich nach Hause, wo er seiner Frau die ganze Begebenheit erzählte, indem er zugleich der Furcht Ausdruck gab, dass Gott ihn prüfen wolle. Khadija, die jede seiner Gemütserregungen mit liebevoller Besorgnis zu beobachten pflegte, tröstete ihn und sagte: «Nein, Gott will dich gewiss nicht prüfen, denn du benimmst dich freundlich deinen Angehörigen gegenüber, hilfst den Hilflosen, zeigst die außerordentlichsten sittlichen Eigenschaften, bewirtest deine Gäste aufs Beste und unterstützest diejenigen, die vom Unglück betroffen sind.» Dies war das Zeugnis der Frau, die seine Gattin war, und deshalb die kleinsten Einzelheiten seines Lebens genau kannte. Es könnte kein besseres und wahrhaftigeres Zeugnis seines Charakters gegeben werden. Denn die wahre Art eines Menschen kann nur aus Erfahrung beurteilt werden, und niemand kann grössere Erfahrung von der Art eines Mannes haben als seine eigene Frau.

Mohammad war aber nicht völlig getröstet durch die Worte seiner Frau und daher riet sie ihm, zu ihrem Vetter zu gehen, der ein Schriftgelehrter war, und sich bei ihm nach der Bedeutung dieser Offenbarung zu erkundigen.

Also ging er zu Warka bin Naufal, dem Vetter seiner Frau, und erzählte ihm sein Erlebnis. Warka antwortete: «Sei nicht niedergeschlagen. Du hast eine Offenbarung von Gott erhalten in derselben Weise, in welcher Moses sie zu erhalten pflegte», und fügte hinzu: «Ich bedaure mein hohes Alter; ich wünschte jünger zu sein und den Tag zu erleben, wo Gott dich mit der Führung der Menschheit beauftragen wird. Ich fürchte, dass dein Volk dich aus deinem Heim vertreiben wird.» Mohammad, der jede Stunde seines Lebens mit Gedanken über das Wohl seines Volkes und der Menschheit zu verbringen pflegte, und der ausserordentlich beliebt war bei seinen Mitbürgern, war erstaunt, dies zu hören und rief verwundert aus:

«Wird mein Volk mich wirklich vertreiben?»

Warka antwortete: «Das werden sie gewiss. Niemand ist je mit einer so wichtigen Botschaft beauftragt worden wie du, den sein Volk nicht unterdrückt und verfolgt hat.» Angesichts der Liebe, die er für sein Volk hegte, der Zuneigung, die er jedem seiner Mitbürger schenkte, und der Dienste, die er den Armen erwies, kam die Nachricht, dass er von seinem Volke vertrieben werden sollte, als eine Überraschung über ihn. Aber die Zukunft hielt noch grössere Überraschungen für ihn in Bereitschaft.

 

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Seine Berufung

 

Innerhalb eines Monats nach dieser Begebenheit erhielt er wieder eine Offenbarung, in welcher ihm befohlen wurde, die Menschheit zu Gott zu rufen, alle Arten der Vielgötterei zu vernichten, Übel und Übertretungen zu unterdrücken und Reinheit und Gerechtigkeit in der Welt neu aufzubauen. Diese Offenbarung verlieh ihm den Rang eines Propheten, und in ihm wurde also die Weissagung im 5. Buch Mose 18: 18 erfüllt, wo es heisst: «Ich will ihnen einen Propheten wie du bist, erwecken, aus ihren Brüdern».

Mohammad (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) war ein Nachkomme Ismaels, also ein Vetter der Israeliten, und er war, wie Moses, der Bote eines Neuen Gesetzes. Im Augenblick, wo er zum Propheten erweckt wurde, verwandelte sich jedoch die ganze Welt für ihn. Denn die, welche ihn zuvor geliebt hatten, hassten ihn jetzt, und die ihn gelobt hatten, verachteten ihn nun, und die ihn zuvor getröstet hatten, fingen jetzt an, ihn zu verfolgen.

 

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Abu Bakr schliesst sich ihm an

 

Nur vier Personen, die Gelegenheit hatten, in nahe Berührung mit ihm zu kommen, glaubten an ihn. Es waren dies: Khadija, seine Frau, Ali, der Sohn des Abu Talib (sein Vetter), Zaid, sein freigelassener Sklave, und Abu Bakr, sein liebster Freund; und der Grund ihres Glaubens war, dass Mohammad unmöglich ein Betrüger sein könnte. Die Art und Weise, wie Abu Bakr seinen Glauben an Mohammad als Propheten bekundete, war bezeichnend. Als dieser die Offenbarung erhielt, welche ihm gebot, seine prophetische Sendung zu proklamieren, war Abu Bakr im Hause eines Edelmannes in Mekka. Eine Magd trat in das Zimmer und rief aus: «Ich möchte mal wissen, was heute mit Khadija los ist? Sie sagt, ihr Mann sei ein Prophet wie Moses einer war.» Hierauf begannen die Anwesenden zu lachen und nannten solch ein Ansinnen ein Zeichen des Irrsinns. Abu Bakr aber, der Mohammad sehr gut kannte, verliess sofort das Haus und begab sich zu Mohammad, den er fragte, ob er so etwas behauptet habe. Mohammad antwortete, dass Gott ihn mit der Führung der Menschheit beauftragt hätte, um die Einheit Gottes zu predigen. Als er dies hörte, rief Abu Bakr, ohne weitere Fragen zu stellen, aus: «Ich schwöre bei meinem Vater und meiner Mutter, dass du nie gelogen hast, und ich kann nicht glauben, dass du etwas über Gott sagen würdest, was nicht wahr wäre. Ich bezeuge somit, dass es keinen Gott gibt als Allah, und dass du der Bote Gottes bist.»

Danach begann Abu Bakr mehrere junge Leute, die ihn wegen der Reinheit seines Lebens hoch achteten, zu ermahnen, und sofort glaubten sieben von ihnen an Mohammad (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei).

 

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Verfolgung

 

Es ist kein leichtes, die Wahrheit anzunehmen. Vom Volk von Mekka, dessen Haupterwerbsquelle eigentlich die Bewachung und der Dienst in Götzentempeln war, konnte man nicht erwarten, die Lehre sofort anzunehmen, dass niemand verehrungswürdig sei ausser Gott. Sobald die Angehörigen derjenigen, die Muslim geworden waren, bekannt wurden, begann man diese zu verfolgen. Osman wurde selbst von seinem eigenen Onkel mit einem Seile gebunden in ein Zimmer eingesperrt, wobei der Onkel erklärte, ihn nicht freilassen zu wollen, bevor er seinen neuen Glauben bereut hätte. Ein anderer junger Muslim, Zubair, der erst 15 Jahre alt war, wurde auch von seinen Verwandten eingesperrt und diese pflegten das Zimmer, worin Zubair eingesperrt war, mit Rauch zu füllen, um ihn widerrufen zu lassen. Aber er blieb fest und hörte nicht auf, seinen Glauben zu bekennen. Eine neue Art der Verfolgung erfand die Mutter eines anderen jungen Muslims. Sie weigerte sich, irgendwelche Nahrung zu sich zu nehmen, bis er zum Glauben seiner Vorfahren zurückkehre. Er antwortete, dass er seinen Eltern in allen weltlichen Dingen gehorchen wolle, aber dass er ihnen nicht gehorchen könne wider Gottes Willen, da die Treue, die er Gott schulde, höher wäre als die, welche er seinen Eltern schulde.

Kurz, mit Ausnahme von Abu Bakr und Khadija, waren diejenigen, die an den Heiligen Propheten glaubten, Leute zwischen 15 und 25 Jahren. Es muss bemerkt werden, dass Mohammad, da er eine Waise war, schon in jugendlichem Alter gelernt hatte, sich seinen eigenen Weg zu bahnen. Es ergab sich, dass, als Gott ihn zum Propheten erweckte, die ersten, welche sich um ihn versammelten, junge Leute waren. Mit Rücksicht auf seine Entstehungsgeschichte kann der Islam deshalb eine Jugendreligion genannt werden.

 

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Seine Art der Annäherung

 

Da ein Prophet seine Botschaft im allgemeinen denjenigen verkünden muss, für die sie bestimmt ist, wählte Mohammad die folgende Methode für diesen Zweck: Eines Tages stellte er sich auf eine Anhöhe und fing an, die vornehmsten Familien in Mekka zusammenzurufen. Da die Leute grosses Vertrauen in ihn setzten, versammelten sie sich auf seinen Ruf, und diejenigen, welche selber nicht kommen konnten, sandten Stellvertreter, um zu hören, was er zu sagen hätte.

«Ihr Leute von Mekka, wenn ich euch sagen würde, dass ein grosses Heer gegen Mekka zöge, und schon sehr nahe sei, sogar im Begriff anzugreifen, würdet ihr mir glauben?»

Nun war dies offenbar unmöglich, denn Mekka wurde von den Arabern als eine heilige Stadt betrachtet und es war nicht zu verstehen, dass irgendwelcher Stamm dagegen marschieren sollte. Ausserdem pflegten die mekkanischen Hirten ihre Herden in grosser Entfernung um Mekka herum zu weiden, und wenn ein Heer gegen Mekka ziehen würde, würden sie rasch die Leute von Mekka vor der Gefahr gewarnt haben. Dennoch war die Antwort, welche sie alle auf Mohammads Frage bei dieser Gelegenheit gaben, so:

«Wir würden dir glauben, denn du hast dir nie eine Lüge zuschulden kommen lassen.» Hierauf versetzte der Heilige Prophet: «Ihr bezeugt, dass ich nie Unwahres spreche. Ich sage euch deshalb, dass Gott mir geboten hat, euch Seine Botschaft zu verkündigen und euch den Irrtum eurer Wege zu zeigen.» Als die Leute aber dies hörten, liefen sie von ihm fort und riefen aus, dass der Mann entweder besessen oder ein Betrüger sei.

 

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Misshandlung seiner Anhänger

 

Dieses Ereignis erregte Aufsehen in Mekka und diejenigen, die schon an ihn geglaubt hatten, wurden schärferen Verfolgungen ausgesetzt als vorher. Brüder würden von ihren Brüdern verlassen, Kinder von ihren Eltern vertrieben und Sklaven von ihren Herren gefoltert. Die Verfolgungen nahmen verschiedene Formen an. Junge Menschen, die sich wenig um Sitte und Herkommen kümmerten und religiöse Fragen nach der Vernunft beurteilten und deshalb bald die Wahrheit des Heiligen Propheten annahmen, wurden von ihren Eltern eingesperrt und ausgehungert, in der Hoffnung, dass sie auf ihren Glauben verzichten würden. Solche Maßnahmen aber verfehlten ihren Zweck und sie ruhren fort, ihren Schöpfer zu verehren mit trockenen Lippen und hohlen Augen, bis ihre Eltern, aus Furcht, dass sie Hungers sterben möchten, mit Essen versahen. Man hatte manchmal Mitleid mit diesen jungen Männern, aber der Fall der Sklaven und armen Leute, die Muslim geworden aber, die niemand hatten, sie zu beschützen, oder ihnen zu helfen, war in der Tat beklagenswert. Sklaven mussten stählerne Rüstungen tragen und dann in der brennenden arabischen Sonne stehen, bis ihre Haut versengt worden war. Einige wurden über die glühend heisse Wüste geschleppt mittels an ihre Beine gebundener Seile; die Körper anderer wurden mit rot glühenden Eisen gemartert.

Eine andere Form der Peinigung war, die Körper der Muslims mit Nadeln zu stechen. Eine fromme muslimische Frau wurde getötet durch einen Speer, den man durch ihren Körper stach. Aber diese und andere unsägliche Greuel wurden von den Muslims unerschütterlich getragen, und sogar unter der Tortur hörten sie nicht auf, zu erklären, dass sie die Verehrung des Einen Gottes nicht aufgeben könnten. Der Heilige Prophet war selbst das Opfer der Verfolgung, aber in seinem Falle wurde das Benehmen seiner Feinde beeinflusst durch die Scheu, bei seinen Verwandten Anstoss zu erregen, da diese allgemein in Mekka geachtet wurden. Trotzdem wurde er oft beschimpft und Asche und Kehricht wurden auf ihn geworfen, wenn er am Boden lag und betete. Einmal, als er in dieser Lage war, setzte einer seiner Feinde ihm den FUSS auf den Nacken und zwang ihn dadurch, lange in dieser Lage zu verharren. Ein andermal, als er in die Moschee ging zum Beten, legte man ihm ein Tuch um den Hals und versuchte, ihn zu erdrosseln, indem man das Tuch zudrehte.

 

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Seine Mission

 

Trotz all dieser Widerstände setzte der Heilige Prophet (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) seine Propaganda fort. Wo er einige Menschen beisammen sitzen fand, pflegte er zu ihnen zu gehen und sie zu lehren, dass Gott Einig sei, dass es keinen anderen Gott ausser Ihm gebe, weder im Himmel noch auf Erden; dass Er weder Sohn noch Tochter habe; dass Er weder zeugte noch gezeugt wurde; dass sie an Ihn glauben und Ihn allein anbeten und verehren sollten; dass Er aller Stofflichkeit bar sei und deshalb mit unseren stofflichen Augen nicht gesehen werden könne; dass Er der Herr aller Mächte sei, die das Weltall geschaffen hätten, und dass die Seelen der Verstorbenen zu Ihm zurückkehrten und neues Leben empfingen; dass die Menschen Ihn lieben sollten und versuchen, sich Ihm zu nähern; dass sie ihre Herzen, Zungen und Taten reinigen sollten; dass sie Lügen, Mord, Ruhestörung, Diebstahl, Räuberei, falsche Beschuldigung, Krittelei, Beleidigung, Übertretung und Neid vermeiden sollten; dass sie ihre Zeit nicht mit dem Streben nach Genuss und der Befriedigung ihrer Wünsche vergeuden sollten, sondern sich dem Dienste und dem Wohl der Menschheit widmen und Liebe und Frieden in der Welt verbreiten sollten.

 

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Heidnischer Glaube seiner Landsleute

 

Dies lehrte er sie und doch belachte man ihn. Die Leute von Mekka waren verstockte Götzendiener, und ihr Tempel enthielt Hunderte von Götzen, die sie täglich anbeteten und vor denen man Opfer brachte, welche eine Erwerbsquelle vieler achtungswerter Familien bildeten. Ihnen erschien die Lehre der Verehrung des Einen einzigen Gottes phantastisch. Sie konnten nicht verstehen, warum Gott sich nicht in einem Menschen oder in einem Götzenbild verkörpern könnte. Sie konnten sich nicht in den Gedanken eines unsichtbaren Gottes finden. Deshalb pflegten sie den Heiligen Propheten zu belachen, wenn sie ihn sahen, und auszurufen: «Seht, dieser Mann hat alle Götter in Einen verschmolzen», denn sie bildeten sich ein, dass die Sonderexistenz vieler Götter eine unumstössliche Tatsache wäre, und dass, wenn Mohammad lehrte, es gäbe nur Einen Gott, er meinte, dass er alle Götter in Einen verschmolzen hätte. Sie schrieben ihre eigenen phantastischen Begriffe dem Heiligen Propheten zu und lachten dann über ihre Torheit. Die Lehre eines Lebens nach dem Tode war ihnen eine weitere Quelle der Heiterkeit. Sie erheiterten sich über den Gedanken, dass die Toten wieder lebend gemacht werden sollten.

 

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Flüchtlinge nach Abessinien

 

Als die Verfolgung der Muslims in Mekka unerträglich wurde erlaubte der Heilige Prophet (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) seinen Gefährten, nach Abessinien zu fliehen, das zu der Zeit von einem christlichen König regiert wurde. Die Mehrheit der muslimischen Männer und Frauen verliess daher ihre Wohnungen in Mekka und zog nach Abessinien. Die Feindseligkeit der Mekkaner verfolgte sie aber dorthin, und diese sandten eine Abordnung zum Konig von Abessinien, dass er die Flüchtlinge den Mekkanern ausliefern sollte. Aber dieser christliche König war ein Monarch, der es liebte, gerecht zu sein. Als er die Deputation angehört hatte, wollte er den ändern Teil auch anhören, und er befahl den Muslims, vor ihm zu erscheinen. Es war ein rührendes Schauspiel. Die Muslims, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen durch die Verfolgung ihrer eigenen Landsleute, erschienen vor dem König von Abessinien besorgend, dass sie den Mekkanern ausgeliefert werden sollten, um von ihnen schlimmer gefoltert zu werden als vorher. Der König erkundigte sich bei ihnen, warum sie nach seinem Lande gekommen waren. Ihr Wortführer erwiderte: «Herr, wir waren unwissend und Hatten keine Kenntnis vom Guten oder Bösen. Wir verehrten Götzen und waren uns der Einheit Gottes unbewusst. Allerlei Übel herrschten unter uns: Übertretung, Räuberei, Mord und Unzucht wurden nicht als Fehler betrachtet. Gott erweckte dann Mohammad (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) uns zum Propheten. Er lehrte uns die Verehrung des Einen Gottes, hielt uns von Freveltaten zurück empfahl Gerechtigkeit und Redlichkeit, ermunterte uns, einander zu heben und führte uns auf den Weg der Reinheit und Rechtschaffenheit Darum fingen unsere Brüder an, uns zu verfolgen, und sie verhängten mehrere Foltern über uns, bis wir gezwungen waren, unsere Heimat zu verlassen und in Dein Land zu fliehen. Diese Leute sind uns hierher gefolgt und fordern unsere Rückkehr. Unser einziger Fehler ist, dass wir den Einen Ewigen Gott verehren.»

Der König war durch diese Antwort so gerührt, dass er sich weigerte, die Muslims den Mekkaern auszuliefern. Diese intrigierten dann mit den Edelleuten des Hofes und am folgenden Tage wiederholten sie ihre Forderung, mit der Angabe, dass die Muslims Jesus zu lästern pflegten. Der König lud die Muslims wieder vor, und sie erklärten ihm, was der Islam über Jesus lehre, nämlich, dass er ein geliebter Diener Gottes und ein Prophet sei, aber, dass sie ihn nicht als Gott annehmen wollten, da Gott nur Einig war. Hierauf waren die Edelleute empört und forderten, dass der König die Muslims bestrafe. Der König antwortete aber, dass er dasselbe von Jesus glaube wie die Muslims und dass er sie wegen dieses Glaubens nicht ihren Unterdrückern ausliefern könne. Er sagte den Edelleuten, dass er sich um ihre Empörung nicht kümmere, da er den Willen Gottes der Herrschaft seines Landes vorziehe.

 

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Schwere Zeiten in Mekka

 

In Mekka nahm die Verfolgung des Heiligen Propheten selber zu. Die Mekkaner wandten sich an seinen Onkel, Abu Talib, der einer der Führer seines Volkes war und aus Furcht vor demselben sie es nicht wagten, zum Aussersten gegen den Heiligen Propheten zu schreiten, und schlugen vor, dass er den Sohn eines ändern Führers adoptieren und Mohammad ihrer Rache ausliefern sollte. Abu Talib sagte: «Das ist freilich ein seltsamer Vorschlag. Ihr wollt, dass ich mein Eigentum einem eurer Buben schenke und meinen Neffen euch ausliefere, um zum Tode gefoltert zu werden. Sollte selbst ein Tier sein eigen Junges toten und das eines ändern Heben?» Enttäuscht hierüber, baten sie ihn, seinen Neffen zu verhindern, die Einheit Gottes und die Verruchtheit des Götzendienstes zu predigen. Darauf schickte Abu Talib nach Mohammad und fragte ihn, ob er den Ältesten Mekkas nicht willfahren könne, indem er sich nach ihren Wünschen richtete. Mohammad antwortete:

«Onkel, ich schulde dir grossen Dank, aber sogar deinetwegen kann ich Gott nicht verleugnen. Wenn du die Feindseligkeiten des Volkes fürchtest, kannst du mich meinem Schicksal überlassen, aber ich muss die Wahrheit predigen, die Gott mir offenbart hat. Ich kann nicht schweigend zusehen, wie mein Volk zugrunde geht

 

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Die verführerischen Anerbieten

 

Sodann verlegten sich die Mekkaner aufs Schmeicheln und Flehen. Sie schickten einen Ältesten zum Heiligen Propheten, ihn zu bitten, den Frieden der Stadt nicht zu stören, und ihm zugleich den Vorschlag zu machen, wenn er etwa Ruhm suche, ihn als den geehrtesten Bürger von Mekka anzuerkennen; oder wenn er Reichtum wünsche, ihn zum reichsten Bürger von Mekka zu machen durch den Erlös einer hohen Steuer; oder wenn er als König regieren wolle, ihm als solchem zu huldigen; wenn er eine Frau verlange, so habe er die Wahl aus allen Frauen Mekkas; wenn er nur aufhöre, die Einheit Gottes zu predigen. Hierauf antwortete der Heilige Prophet:

«Wenn ihr die Sonne zu meiner Rechten und den Mond zu. meiner Linken stellt, so werde ich diese Lehre nicht verleugnen.»

Achtzig Personen hatten sich bisher dem Heiligen Propheten (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) angeschlossen.

 

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Blockade und Boykott

 

Als aber die Gerüchte der Begebenheiten in Mekka sich im Lande verbreiteten, kamen die Leute nach Mekka, um selbst zu prüfen, was dies alles bedeutete. Die Mekkaner ärgerten sich hierüber und die Strassen wurden gesperrt, um jeden zu verhindern, den Heiligen Propheten zu besuchen. Zugleich beschlossen sie, ihn zu töten. Als die Muslims dies erfuhren, zogen sich sein Onkel und seine anderen Verwandten mit ihm in einbenachbartes Tal zurück, um ihn besser beschützen zu können.

Da die Pläne der Widersacher so hintertrieben wurden, vereinbarten die Mekkaner, den Heiligen Propheten, seine Angehörigen und alle Muslims zu boykottieren. Es wurde verboten, ihnen Nahrung oder Kleider zu verkaufen, Ehen zu schliessen und jeder andere Verkehr mit ihnen wurde untersagt, es sei denn, dass man den Heiligen Propheten den Mekkanern ausliefern wolle, damit diese nach ihrem Gutdünken mit ihm verfahren könnten.

Mekka ist eine einsame Stadt in der Wüste. Es gibt keine andere Stadt im Umkreis von 60 km. Man kann sich deshalb vorstellen, welche Entbehrungen die Muslims und die Angehörigen des Heiligen Propheten zu erleiden hatten infolge dieses Boykotts. Posten wurden ausgestellt, um jeden zu verhindern, ihnen Speisen oder Getränke zu bringen, und dieser Zustand dauerte drei Jahre. Die Belagerten mussten günstige Gelegenheiten in der Nacht erspähen, um Lebens-mittel zu bekommen, welche sehr häufig ganz erschöpft waren; mussten sie doch tagelang das Leben fristen mit den Blättern und der Rinde der Bäume. Ein Gefährte des Heiligen Propheten erzählt, dass die Muslims verwildert und abgemagert aussahen und dass ihre Gesundheit zerrüttet war. Nicht Tage oder Wochen, sondern drei volle Jahre wurde dieser grösste Wohltäter der Menschheit in dieser Weise verfolgt, weil er die Verehrung des Einen Gottes predigte und die Erwerbung hoher moralischer Eigenschaften, aber weder seine eigenen Leiden noch die seiner Anhänger und Lieben beeinträchtigten seine hohen und edlen Ziele. Nach drei Jahren fortgesetzter Verfolgung empörte sich, obgleich spät, die Humanität einiger mekkanischer Stammesführer gegen diese Tyrannei und sie brachen die Verabredung des gemeinsamen Widerstandes, die sie eingegangen waren. Der Heilige Prophet und seine Gefährten verliessen das Tal, wohin sie sich zurückgezogen liatten, aber sein alter Onkel und seine treue Gattin konnten die Folgen dieser langen Periode der Verfolgung nicht überwinden und starben kurz nachher.

 

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Seine Reise nach Taif

 

Da er die Feindseligkeit der Mekkaner gegen seine Lehren bemerkte, wollte der Heilige Prophet (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) sich an andere arabische Städte wenden und reiste nach Taif, um die Bevölkerung zum Glauben an den Einen Gott zu belehren. Taif ist eine alte Stadt, ca. 90 km von Mekka entfernt. Als das Wort Gottes den Einwohnern dieser Stadt gepredigt wurde, zeigten sie sich wilder als die Leute von Mekka. Erst beschimpften sie ihn und jagten ihn dann zur Stadt hinaus und setzten Hunde und Bösewichte auf ihn. Er wurde von allen Seiten mit Steinen beworfen und ging blutbefleckt weiter, wobei er auch noch von wilden Hunden gejagt wurde. Seine Meinung über die Tyrannen von Taif lässt sich entnehmen aus den Worten, welche unter diesen Umständen seinen Lippen entfielen. Während er das Blut von seinem Angesicht wischte, betete er:

«Herr, diese Menschen wissen nicht, dass das, was ich ihnen sage, die Wahrheit ist; sie handeln so, weil sie glauben, dass es recht sei. Sei ihnen deshalb nicht böse und schicke ihnen keine Strafe, sondern öffne ihre Augen für die Wahrheit und befähige sie, diese anzunehmen.»

Welch eine rohe Behandlung belohnte solche Gefühle der Liebe! Finden wir irgendwo ein Beispiel solch einer vollkommenen Liebe für die Menschheit?

 

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Verbreitung des Islams nach Medina

           

 Die Wahrheit kann nicht unterdrückt werden. Die Fassungen seiner 1  Lehren begannen sich im Lande zu verbreiten. Einige Männer aus Yathreb (jetzt als Medina bekannt) kamen nach Mekka anlässlich der jährlichen Pilgerfahrt und begegneten dem Heiligen Propheten (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei). Er erklärte ihnen die Lehren, und sie empfingen einen tiefen Eindruck davon. Bei der Rückkehr nach Yathreb sprachen sie darüber mit ihren Mitbürgern und im nächsten Jahr kamen siebzig von ihnen, um Näheres zu lernen, und alle nahmen den Islam an. Sie baten den Heiligen Propheten, sie nach ihrer Stadt zu begleiten und sich dort anzusiedeln. Er erklärte, dass die Zeit noch nicht gekommen sei, Mekka zu verlassen, aber er versprach ihnen, wenn die Gelegenheit sich darböte, nach Medina zu kommen.

 

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Seine Flucht nach Medina

 

Als die Mekkaner erfuhren, dass seine Lehre sich ausserhalb Mekkas zu verbreiten anfing, ersannen sie einen neuen Plan, ihn zu ermorden. 1 Sie wählten einen Mann aus jedem Stamm, um einen vereinten -  Anschlag auf ihn zu verüben und ihm das Leben zu nehmen. Und so wollten sie alle Stämme für die Gewalttat verantwortlich machen, damit das Geschlecht des Heiligen Propheten, selbst wenn sie erzürnt sein sollte, sich hilflos den vereinten Stämmen von Mekka gegenüber fühlte. Der Heilige Prophet aber war von Gott vor der Gefahr gewarnt worden, und er verliess Mekka in derselben Nacht, begleitet von Abu Bakr, und reiste nach Medina. Das Volk von Medina nahm seine Lehre gerne an und in einer kurzen Zeit wurden sie fast alle Muslim. Sie wählten den Heiligen Propheten zu ihrem König, und so wurde der Eckstein, den die Bauleute seiner Stadt verworfen hatten, zur Krone im Staate Medina. Eckstein, den die Bauleute seiner Stadt verworfen hatten, zur Krone im Staate Medina.

 

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Wahlkönig von Medina

 

Als König von Medina beschäftigte er sich auch mit dem Unterricht des Volkes, gab dabei aber nie seine einfache Lebensweise auf. Er benutzte seine Zeit dazu, Menschen zur Verehrung des Einen Gottes zu bekehren und sie die moralischen und sozialen Vorschriften des Islams zu lehren. Er leitete persönlich die fünf täglichen Andachten in der Moschee, schlichtete alle Streitigkeiten, die unter den Mitgliedern der Gemeinschaft entstanden und widmete Zeit und Aufmerksamkeit der Beförderung des Gemeinwohles, z.B. in Sachen betreffs des Handels, der Erziehung und der Hygiene. Er verwendete besondere Aufmerksamkeit auf die Umstände und Nöte der Armen und versuchte letzteren abzuhelfen. Zum Beispiel, er machte manchmal Besorgungen für die Armen, die solches Dienstes bedurften. Während seiner vielen Arbeiten fand er dennoch Zeit, an den Spielen und Vergnügungen der jungen Leute teilzunehmen und ermunterte sie zur Entwicklung eines gesunden nationalen Geistes. Wenn er heimkehrte, half er oft seinen Frauen bei der Hausarbeit. Um Mitternacht, wenn jedermann sich zur Ruhe begeben hatte, pflegte er sein Bett zu verlassen und die stillen dunklen Stunden in Verehrung seines Schöpfers zu verbringen, bis manchmal seine Füsse geschwollen waren infolge der Andachtshaltung, in der er so lange gestanden hatte. Seine Lehre kann kurz wie folgt beschrieben werden:

 

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Der Begriff Gottes

 

l. Er lehrte, dass Gott Einig ist, und alle ändern Wesen, seien es Engel oder Menschen, Seine Geschöpfe sind; und dass es eine Beleidigung für Gott ist zu glauben, dass Er Sich in Menschen oder in Götzenbildern verkörpert, oder dass Er zeugt oder gezeugt wird. Gott ist über all solche Dinge erhaben. Er allein gibt Leben und Er allein nimmt es weg. Alle Reformatoren und Propheten waren Seine Diener, und keiner von ihnen besass göttliche Kräfte. Alle Menschen sollten Ihn allein anbeten und Ihn allein verehren und Ihm allein ihren Glauben schenken.

 

 

Zweck der Schöpfung des Menschen

 

2. Er lehrte, dass Gott den Menschen für die höchsten geistigen, sittlichen, intellektuellen und sozialen Ziele erschaffen habe, und 'dass Nationen erweckt habe. Er verwarf die Lehre, dass Propheten nur zu einem bestimmten Volk gekommen seien, denn dies hiesse den Schöpfer der Parteilichkeit bezichtigen und Seine Vorsehung in Abrede stellen. Er zeugte für die Wahrheit der Propheten aller Völker.

 

Offenbarung

 

3. Er lehrte, dass das Wort Gottes in allen Zeiten nach den jeweiligen Bedürfnissen der Zeit offenbart worden sei, und er behauptete, dass Gott ihm die Führung dieser letzten Zeit übertragen habe. Demgemäß lehrte er, dass der Qur-ân ein vollkommeneres Gesetzbuch sei als die früher offenbarten Bücher, und er rief die ganze Menschheit zum Glauben an den Qur-ân auf.

 

Das ewige Wort

 

4. Er lehrte, dass Gott immer zu Seinen Dienern spricht und zu ihrer Hilfe Zeichen offenbart, um sie Seines Daseins und Seiner Liebe zu versichern, und er behauptete, dass diejenigen, welche seinen Lehren folgten, die Wahrheit dieser Dinge in sich verspüren würden. Der Verfasser kann die Wahrheit dieser Lehre auf Grund seiner persönlichen Erfahrung verbürgen. Auch habe ich, durch Befolgung der Lehren des Islams, das Wort Gottes in derselben Weise gehört wie die Menschen aus der Zeit Moses' und Jesus' es hörten, und Gott hat bei mehreren Gelegenheiten mir Zeichen offenbart, welche gewiss über die Kraft eines Menschen gehen.

 

 

Eine lebende Religion

 

5. Er lehrte, dass eines der Zeichen einer wahren Religion sei, dass Gott uns Mittel zur Verfügung stellen werde, sie lebend und rein in der Welt zu erhalten, und dass Er, um den Islam vor menschlicher Einmischung zu schützen, Propheten erwecken werde, um den Islam zu beschützen und seine Reinheit zu bewahren. Demzufolge ist auch jetzt wieder ein Prophet in Indien erschienen, um diesen Zweck zu erfüllen. Der Name dieses Propheten ist Ahmad. Ich bin sein zweiter Nachfolger und meine Gefährten sind einige seiner Jünger.

 

Leben des Friedens

 

6. Er lehrte, dass trotz der Religionsunterschiede die Menschen in Frieden und Freundschaft miteinander leben und nicht über Religionssachen streiten sollten. Denn wenn jemand die Wahrheit hat, braucht er nicht darüber zu streiten, sondern er braucht sie nur anzubieten, und sie wird ganz von selbst die Herzen der Menschen erobern. Der Prophet gestattete deshalb selbst den Christen, in seiner Moschee ihren Gottesdienst auszuüben, ein Beispiel hochherziger Duldsamkeit, dem man jetzt kaum begegnen wird, sogar in diesem fortgeschrittenen zwanzigsten Jahrhundert.

 

Zusammenhang des Geistigen mit dem Körperlichen

 

7. Er betonte, dass das Leben des Menschen zwei Seiten habe, die geistige Seite und die körperliche Seite, und dass sie eng zusammenhingen, dass sie nicht voneinander getrennt werden könnten, und dass jede von beiden die andere beeinflusse. Er betonte besonders, dass keine noch so grosse äussere Übereinstimmung in religiöse Gebote etwas nütze, falls das Herz nicht rein wäre, und dass dagegen der Geist nicht geübt und gebildet werden könnte ohne die Hilfe äußerer Übereinstimmung. Für eine vollständige Bildung des Menschen ist es deshalb notwendig, diese beiden Begriffe zu berücksichtigen.

 

Sittenlehre

 

8. Bezüglich der Moral lehrte er, dass alle Menschen von Natur aus als reine und unbefleckte Geschöpfe geboren werden und jede Verderbnis einer falschen Erziehung und schlechten Beispielen zugeschrieben werden könne. Darum drang er immer auf eine gute Erziehung.

 

Selbstläuterung

 

9. Er pflegte auch zu betonen, dass der eigentliche Zweck einer guten Moral die wahre Verwandlung seiner selbst sowohl wie die der ändern sei. Er pflegte nicht nur die eine Seite einer Frage allein zu betonen, sondern alle Seiten zu berücksichtigen. Er sagte z.B. nie, dass man unter allen Umständen Gnade und Verzeihung walten lassen solle. Er pflegte in der Tat zu sagen, dass, wenn man von einem ändern geschädigt oder beleidigt worden sei, man erwägen solle, w|e man am besten den Charakter des Schädigers oder Beleidigers verbessern könne. Wenn er ein edelmütiger Mensch ist, wird er sich gewiss in Zukunft bessern, wenn die Gelegenheit dazu geboten wird. Ein solcher Mensch verdient jede Erwägung der Gnade und der Verzeihung. Aber wenn er nun so entartet ist, dass er deine Verzeihung als ein Zeichen der Schwäche oder der Furcht auffasst, und deshalb kühner und unverschämter in seiner Bosheit wird, dann ist es an der Zeit, strengere Massnahmen zu ergreifen, denn sonst wird er andere ausser dir auch noch schädigen. Strafe ihn nach dem Masse seiner Schuld, oder sonst werden Unschuldige und Schwache leiden unter fremder Schuld.

Seine Lehre bezüglich der Kriege

 

10. Er lehrte, dass Angriffskriege nie gerührt werden sollten. Krieg war nur erlaubt als Verteidigungsmassnahme. Selbst in letzterem Falle, wenn die angreifende Partei ihre Torheit bereut und bereit ist zu unterhandeln, soll man bereit sein, Frieden zu schliessen.

 

Der Geist unsterblich erschaffen

 

11. Wiederum lehrte er, dass des Menschen Geist oder Seele unsterblich erschaffen ist, deshalb stirbt dieser nicht beim Tode des Körpers. Er fährt in seiner Entwicklung fort ohne der Vernichtung anheim zu fallen. So sehr, dass selbst Sünder und die Ungerechten, nachdem sie eine reinigende Züchtigung erfahren und von allen bösen Neigungen gereinigt worden sind, der ewigen Gnade Allahs teilhaft werden und wieder auf den Weg des ewigen Fortschritts gebracht werden.

 

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Die mekkanische Feindschaft

 

Als die Mekkaner sahen, dass Mohammad in Medina mit offenen Armen empfangen wurde, um seine Lehren unter den Einwohnern Medmas zu verbreiten und dass viele Leute sich ihm angeschlossen, unternahmen sie oftmals Feldzüge gegen ihn, aber diese gewalttätigen Versuche schlugen fehl. Sogar hier wurde seine Überlegenheit deutlich bewiesen, denn trotz der vielen Vorbereitungen der Mekkaner und ihre zahlenmäßigen Überlegenheit (manchmal waren sie drei mal so Stark als die Muslime) wurden sie immer besiegt, was sehr ungewöhnlich war. Die Muslime siegten und die Mekkaner erlitten eine gewaltige Niederlage. Bisweilen erlitten die Muslims eine Art Fehlschlag oder Rückgang, aber es war nie eine Niederlage in  wahren Sinne des Worts, denn schliesslich führte er stets zu einer verlorenen schlacht der Mekkaner.

Diese Auseinandersetzungen mit den Gegnern führten zu sehr deutlichen und unmittelbaren Ergebnissen. Eines davon war, dass Mohammad aus all diesen Wirrsalen als höchster König von Arabien hervorging. Zweitens hatte er Gelegenheit, während dieser Zeit des Streites und der Spannung einige jener hohen moralischen Züge an den Tag zu legen, die nur im Kriege und im Gefecht gezeigt werden können. Dies erhöhte seine moralische Überlegenheit noch mehr. Zu gleicher Zeit beweis dieser streit und diese Spannung der Welt, welch ein Geist der Opferwilligkeit und der Hingabe er seinen Anhängern eingeflösst hatte.

 

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Die Ohud-Episode und die Treue seiner Anhänger

 

 Erläuterun8 erzahle ich  hier eine Episode der Schlacht von Ohud. Drei Jahre nach seiner Auswanderung aus Mekka zog der Feind mit dreitausend alten Kriegern aus Mekka, um Medina anzugreifen Medina liegt ca. 320 km von Mekka aber die Feinde Mohammads waren ihres Erfolges so sicher, dass sie bis ganz in die Nähe von Medina vorstiessen. Aus Ohud, das nur 13 km von Medina entfernt liegt zog der Heilige Prophet mit tausend Muslims den Mekkanem entgegen Eine seiner Abteilungen missverstand seine Anweisungen und die Folge davon war dass der Sieg, der beinahe der Muslims sicher war, sich in eine Niederlage verwandelte. Trotz der Tatsache, dass die Muslims auf allen Fronten siegreich waren, wandten sich dennoch die Feinde gegen sie dank diesem taktischen Fehler, und im Verlauf der Schlacht entwickelte sich die Lage einmal so kritisch, dass die Muslims weit zurückgetrieben wurden, ja so weit, dass der Heilige Prophet allein stand im Kreise seiner erbittertsten Gegner. In diesem Augenblick behauptete er sich so kräftig, dass, obgleich sich seine Leute zurückzogen, er keinen Schritt rückwärts machen wollte. Als die Muslims diese Sachlage erkannten, machten sie einen entschlossenen Versuch, ihm zu Hilfe zu eilen, aber nur vierzehn von ihnen konnten durch die feindlichen Linien zu ihm hindurchbrechen. Da wurde der Heilige Prophet durch einen Stein getroffen; er erhielt eine Wunde am Kopfe und fiel ohnmächtig nieder. Er wurde verschüttet unter den toten Körpern der Muslims, die bei seiner Verteidigung fielen. Man glaubte allgemein, dass der Heilige Prophet als Märtyrer gefallen sei. Seine Anhänger waren wie verlassene Liebende, als sie diese Kunde erhielten; viele von ihnen warfen ihre Waffen auf dem Schlachtfeld fort und begannen zu weinen. Einer der muslimischen Soldaten, der das Gerücht nicht gehört hatte und zufälligerweise vorüber kam, erkundigte sich nach der Ursache dieser Verzweiflung. Als er von dem Tode des Heiligen Propheten hörte, bemerkte der Soldat, dass es jetzt Zeit sei, für einen verzweifelteren Kampf. «Wir wollen unserem geliebten Meister in den Tod folgen.» Nachdem er dies gesagt hatte, zückte er das Schwert, griff den Feind an und wurde getötet. Etwa siebzig Wunden wurden an seinem Körper gefunden, als er später identifiziert wurde.

Als der Körper des Heiligen Propheten unter den Leichen seiner Anhänger entdeckt wurde, fand man, dass er noch lebte. Diese Kunde verbreitete sich rasch; das muslimische Heer begann sich wieder zu versammeln und der Feind begann zu fliehen. Ein muslimischer Soldat vermisste einen seiner Verwandten und ging aus, ihn zu suchen. Er fand ihn sehr verwundet und fast in den letzten Zügen. Sobald der Verwundete seinen Verwandten sah, fragte er ihn nach dem Wohlergehen des Heiligen Propheten und als der Soldat ihm erzählte, dass der Heilige Prophet noch lebe, strahlte sein Gesicht vor Freude und er sagte: «Nun sterbe ich glücklich». Dann ergriff der Sterbende die Hand seines Verwandten und bat ihn, seinen Lieben folgende Botschaft zu überbringen: «Mohammad, der Prophet Gottes, ist ein Auftrag in unseren Händen, wofür wir Gott Verantwortung schulden. Es ist eure Pflicht, diesen göttlichen Auftrag zu hüten. Sorgt dafür, dass ihr eure  Pflicht nicht versäumt.» So zeigten die Muslims ihre Treue dem Heiligen Propheten gegenüber. Die muslimischen Frauen standen in keiner Weise hinter ihren Männern zurück in dieser Hinsicht. Als die Nachricht, dass der Heilige Prophet getötet worden sei, Medina erreichte, verliessen die Mediniter alle die Stadt und begaben sich mit Herzen voll Gram und Sorge nach dem Schlachtfeld. Sie begegneten dem muslimischen Heer, das entzückt vom Schlachtfelde zurückkehrte, mit dem Propheten heil unter ihnen. Eine Frau trat hervor und fragte einen der Soldaten: «Wie geht es dem Heiligen Propheten?» Da der Mann wusste, dass der Heilige Prophet ganz heil war, wollte er ihre Frage nicht beantworten, und sagte: «Ihr Vater ist gefallen, gnädige Frau.» «Was macht der Prophet Gottes?» sagte sie ungeduldig. «Ich frage nicht nach dem Tode meines Vaters.» Wieder wollte der Mann ihre Bekümmernis um den Heiligen Propheten nicht beseitigen und antwortete: «Ihre zwei Brüder sind gefallen, teure Schwester.» Da riss ihr die Geduld und sie sagte streng: «Ich frage nicht nach dem Schicksal meiner Brüder. Willst du mir sagen, wie es dem Propheten Gottes geht, ja oder nein?» «Der Heilige Prophet ist ganz heil», antwortete der Mann. «Gott sei gelobt», rief sie aus, «wenn der Prophet Gottes lebt, dann lebt die ganze Welt und es kümmert mich nicht, wer sonst stirbt.» Wie konnte solch eine aufrichtige Hingehung und wahre Liebe zur Person des Heiligen Propheten in den Herzen seiner Anhänger entstehen, ohne ein reines und vollkommenes Beispiel und eine leidenschaftliche Sorge für das Wohl der Menschheit seinerseits? Die Honain Episode und die Aufforderung des Propheten

Bei einem späteren Angriff des Feindes marschierte das muslimische Heer einmal durch einen Gebirgspass, auf dessen beiden Seiten die feindlichen Bogenschützen versteckt lagen. Die Muslims waren ganz unbewusst von der Lage der Feinde, die Pfeile nach ihnen zu schiessen begannen. Dieser plötzliche Angriff erschreckte die Pferde und die Kamele der Muslims und die Reiter verloren die Gewalt über sie. Der Heilige Prophet wurde mit nur sechzehn Gefährten inmitten einer Menge von gegen 4000 Bogenschützen allein gelassen und der Rest des muslimischen Heeres wurde zerstreut. Der Heilige Prophet, ganz furchtlos, lenkte sein Pferd in die Richtung der feindlichen Scharen. Als dies die wenigen Getreuen, die bei ihm geblieben waren, sahen, waren sie bestürzt und, von ihren Pferden steigend, hielten sie die Zügel seines Pferdes und sagten: «Der Feind marschiert siegreich auf und das muslimische Heer ist in die Flucht geschlagen und die Sicherheit des Islams hängt von Eurer Sicherheit ab; bitte, geht zurück, damit die zerstreuten Muslims sich sammeln können.» «Lasst die Zügel meines Pferdes los», sagte der Prophet und dann rief er so laut wie er konnte aus: «Ich bin der Prophet Gottes, ich bin kein Lügner; wer es kann, mag mich verletzen.» Mit diesen Worten ritt er mit den 16

Gefährten auf die feindlichen Scharen zu. Keine menschliche Hand konnte ihm irgendein Leid zufügen. Dann befahl der Prophet einem seiner Anhänger, die fliehenden Muslims mit lauter Stimme anzurufen mit den Worten: «Ihr Mediniter, der Prophet Gottes ruft euch.»

Ein Gefährte des Heiligen Propheten erzählt: «Unsere Pferde und Kamele waren furchtbar erschreckt worden und rannten vom Schlachtfeld fort und all unsere Versuche, sie anzuhalten und zurückzuwenden waren ergebnislos. Als wir diesen Ruf hörten, war es uns, als wären wir gestorben und die Stimme Gottes rufe uns. Ich wollte ungeduldig zurückeilen. Auch versuchte ich, mein Kamel umzuwenden, aber vergebens. Die Stimme «Der Prophet Gottes ruft euch» widerhallte noch in meinen Ohren. Als ich sah, dass mein Kamel mich vom Kampfplatz wegführte, zog ich mein Schwert aus der Scheide, tötete das Tier und eilte raschestens nach der Stelle, woher die Stimme kam.»

Weiter schreibt der Gefährte des Propheten, dass so die Verfassung des ganzen Heeres gewesen sei. Wer sein Pferd oder Kamel umwenden konnte, kam zu ihm zurück, und wer es nicht konnte, stieg ab und eilte zu ihm. Wer sogar nicht absteigen konnte, tötete sein Tier und eilte zu seinem Heer und in einigen Augenblicken waren alle um ihn versammelt auf seinen Ruf, gleich wie die Toten aus den Gräbern auferstehen sollen beim Klang der Posaune des Israfeel.

 

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Seine humanen Gesetze

 

Der Prophet betonte immer, dass die Muslims nie angreifen sollten; sie sollten nur zur Verteidigung kämpfen. Er legte seinen Anhängern immer ans Herz, in der Schlacht nie Frauen, Kinder, Geistliche, alte Männer und Kriegsunfähige zu töten. Er lehrte, dass man diejenigen, die die Waffen streckten, nicht töten sollte. Bäume sollte man nicht umhauen, Gebäude nicht niederreissen, Städte und Täler nicht plündern, und wenn er je erfuhr, dass diese Vorschriften übertreten wurden, war er sehr verstimmt und ereiferte sich gegen denjenigen, der es tat.

 

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Seine edelmütige Behandlung der Mekkaner

 

Als Allah dem Propheten die Eroberung Mekkas gewährte, zitterten die Einwohner aus Furcht vor der Behandlung, die ihnen zuteil werden könnte. Die Einwohner von Medina, die selber nicht die Folterungen gesehen hatten, denen die Muslims in Mekka ausgesetzt worden waren, waren äusserst empört beim Gedanken an die Folterungen. Aber als er in Mekka einzog, versammelte er das Volk und sagte: «Oh, ihr Leute, ich verzeihe euch heute alles Unrecht, das ihr mir getan habt; ihr werdet nicht bestraft werden.»

Wenn keine Kriege gewesen und er nicht zum König gemacht worden wäre, wie hätte er ein vollkommenes Vorbild für die Menschheit werden können und wie hätte er diese Seite der menschlichen Moral entfalten können?

 

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Sein Charakter

 

Kurz, die Kriege haben eine wichtige Seite seiner Moral enthüllt und seine Liebe zum Frieden, zur Ruhe, Vergebung und Gnade gezeigt; denn nur der ist wahrhaft gnädig, wer die Macht hat, Gnade zu zeigen und es auch tut und nur der ist wert, edelmütig genannt zu werden, wer Reichtümer besitzt und sie verteilt. Der Allmächtige Gott verlieh ihm den Sieg über seine tyrannischen Feinde und er verzieh ihnen allen. Er gab ihm ein Königreich, und durch ein bescheidenes und einfaches Leben und durch Verteilung seiner Reichtümer an die Armen und Bedürftigen bewies er, dass er andere nicht nur lehrte, für die Armen zu sorgen, da er selber ja nichts besass, sondern dass er handelte nach seiner eigenen Lehre. Er brachte jeden Augenblick seines Lebens im Leiden für die Sache Gottes zu und jeden Tag begegnete er einem neuen Tod auf Seinem Wege. Er starb im Alter von 63 Jahren und selbst in seiner letzten Krankheit wollte er seine Anhänger schützen vor einem Rückfall in Formen, welche andere Wesen mit Gott gleichstellen. Er rief wiederholt aus: «Möge Gott diejenigen strafen, welche die Gräber ihrer Propheten zu Kultstätten gemacht haben», womit er meinte, dass diese Leute zu ihren Propheten beteten, als ob diese göttliche Kräfte besässen. Er wollte dadurch die Muslims warnen vor dieser Form der Vergötterung. Indem er bis zu seinem letzten Atemzug alles verurteilte, was gegen die vollkommene Einheit Gottes ankämpfen möchte, kehrte er zu seinem Schöpfer wieder und obgleich gesagt wird, dass die Muslims den Heiligen Propheten Mohammad (mit welchem der Friede und der Segen Gottes sei) anbeten, war er der Mann, der mehr als sonst jemand tat, um alle Formen der Vergötterung und der Gleichstellung anderer Wesen mit Gott zu unterdrücken. Er gebrauchte sein ganzes Leben dazu, um die vollkommene Einheit Gottes zu predigen, und alle Liebe zu dieser Lehre, die wir jetzt in der Welt finden, ist das Ergebnis seiner Anstrengungen und auch der seiner Anhänger.

 

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Einige Prophezeiungen des Propheten Mohammad Deutsche Übersetzung des Heilige Qur-âns
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