Jehad im Islam

    Jehad - ein bequemes Wort, das in aller Munde ist, wenn es darum geht, über den Islam zu sprechen. Es ist gang und gäbe bei den christlichen Gelehrten, Pfarrern und Religionslehrer in der Schule, den Islam Unterricht gerade bei diesem Wort anzufangen. Kaum ein anders Wort indes im heutigen Sprachgebrauch, das derart krass missverstanden wird, nicht zuletzt unter einer nicht zu übersehenden Schicht von Muslimen unserer Zeit. Kurzerhand wird das Wort Jehad mit Heiliger Krieg übersetzt und ohne Zögern dem Fanatismus, dem Terror und den Kreuzzügen gleichgesetzt.

    Apropos Kreuzzüge: Als Urban II, Papst vom 1088-1099 unter freiem Himmel die Christen mit beschwörenden Worten zu einem Kreuzzuge gegen die Muslime aufrief und jedem, der auf dem Schlachtfeld fallen sollte, den Himmel versprach, war damit bestimmt ein Heiliger Krieg der Christen gegen die Muslime gemeint, und die Vermutung liegen nahe, dass der Begriff Heiliger Krieg später dem Islam in die Schule geschoben und der in der Islamische Terminologe vorhandene Ausdruck Jehad so übersetzt wurde.

    Dennoch, die aus drei Buchstaben (J_H_D) bestehende Wurzel dieses arabischen Wortes hat weder den Sinn von heilig noch denjenigen von Krieg zum Inhalt. Das Wort bedeutet lediglich: streben, an einer Sache hart und fleißig arbeiten, sich für etwas einsetzen, sich zum äußersten bemühen, die Schwierigkeiten zu überwinden, sich mit Lieb und Seele mit einer Aufgabe befassen, usw.

    Jehad ist somit in erster Linie der Kampf, den jeder Mensch jeden Tag im täglichem Leben auf verschiedenen Ebenen führt. Es gilt, diesen Kampf zu gewinnen und zu überleben. Das trifft sowohl auf das individuelle wie auch das kollektive Überleben des Einzelnen bzw. der Gemeinschaft zu. Wer in diesem keinen Jehad führt, der verpasst den Zweck seines Daseins, er lebt eigentlich nicht selbstständig, sondern auf Kosten der Mühe und Arbeit (Jehad) der anderen. Er ist unfähig, seinem Leben eine Orientierung zu geben. jeder Mensch wurde jedoch erschaffen, am Kampf des Lebens aktiv teilzunehmen und so die Gesellschaft durch seinen Beitrag zu bereichern.

    Der größte und wertvolle Jehad ist aber der mit sich selbst, gegen die eigenen Unzulänglichkeiten, gegen die schlechten Neigungen und die bösen Einflüsse der Umgebung und gegen die Einflüsterungen des Satans. Ferner ist er der Kampf gegen die Schwierigkeiten und gegen die äußeren Gefahren, gegen die Angriffe auf Ehre, Eigentum und Leben, ja als patriotischer Mensch sogar gegen die Angriffe auf sein Heimatland- allerdings mit der Einschränkung, dass der Kampf der letztgenannten Sorte zwar Jehad nach dem Wörterbuch heißen würde, nicht aber Jehad nach der religiösen Terminologie des Islams. Darüber später mehr.

    Nach dem Wörterbuch heißt jeder Einsatz  Jehad. Wenn jemand eine Lanze für die Unantastbarkeit und Unverletzlichkeit der Menschenrechte bricht, dann befindet er sich im Zustand des Jehad im Sinne eines Einsatzes. Wer der Armut den Kampf ansagt, der tut dies im Geiste des Jehad. Somit ist ein Leben ohne Jehad in dieser Welt ein Leben ohne Sinn und Inhalt, ohne Ziel und Aufgabe.

    Bezogen auf religiöses Gedankengut, erfährt das Wort Jehad keine wesentliche Änderung in seiner Substanz und Bedeutung, solange die Bedingungen für den religiösen Jehad erfüllt sind, sie wird nur noch intensiver und eifriger.

    Doch was ist aus dem strapazierten Wort Jehad geworden. Es wird missgedeutet, missverstanden und missbraucht. Ironischerweise haben zur Einstellung und Verzerrung der Bedeutung dieses Wortes jene beigetragen, die diesem Wort eine magische Kraft beimessen wollen, um damit ihren eigenen Zielen näher zu kommen. Dass Wort wird tatsächlich für den sogenannten Heiligen Krieg gebraucht, man verstehe darunter, was man wolle.

    Es hat religiöse Krieg gegeben, die unter Erfüllung der übrigen Voraussetzungen deswegen als Jehad zu bezeichnen waren, weil sie zur Wiederherstellung der Grundfreiheiten der Menschen und zur Erhaltung der Menschenrechte und zur Verteidigung des Glaubens und der Gewissensfreiheit geführt wurden.

    Aber nicht selten wurde das (heilige) Wort auch für unheilige Zwecke gebraucht und nicht selten wurden Kriege ausgerufen und Jehad genannt, die mit diesem nicht das Entfernteste gemeinsam hatten. Jehad wurde in Verruf gebracht. Heute wird leider unter Muslimen und Nichtmuslimen dieses Wort nur in diesem Sinne gebraucht bzw.  missbraucht.

    Jeder Terrorakt, jeder Raub des Menschenlebens, jedes Unrecht und jede Verletzung der Menschenrechte wird unter der Flagge des Jehad geführt. So wird das schöne Wort, welches Sinn und Zweck des menschlichen Lebens verkörpert und für die Erhaltung der höheren moralischen und menschlichen Werte sehen sollte, ja welches ein Anreiz zum Guten und eine Absage zum Bösen bedeuten sollte, in seiner Bedeutung entstellt und verzerrt.

   Im Frühen Islam, und auch lange Zeit danach, wurde der Begriff Jehad richtig verstanden und praktiziert. Dann setzte der Zerfall der Muslime ein und sie begannen allmählich, den Geist der Lehre des Islams zu verlieren und zur bloßen Schale ohne Kern zu werden. Nur die Schale von Jehad blieb ihnen haften, der Kern war entflogen.

 Glücklicherweise war in der Vorsehung Gottes bestimmt worden, den Islam und die Muslime zu regenerieren und Ihnen ein neues Leben einzuhauchen. Auch die falsche Interpretation des Jehad musste eine Korrektur erfahren. Während einige Muslime einen blutigen Mahdi erwarteten, der nach ihren Vorstellungen die Andersgläubigen mit Gewalt (eben durch den sogenannten Jehad) zum Islam führen sollte, hatte der Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm) von einem anderen (richtigen) Mahdi gesprochen, der mit der falschen Vorstellungen vom Jehad aufräumen und den richtigen Jehad propagieren sollte, den Jehad des Qur-âns, des Propheten Mohammad und des Islams, nicht aber den Jehad der fanatischen Mullahs und Ihres irregeleiteten Anhangs.

    Die Ahmadiyya-Bewegung des Islams vertritt die Auffassung von Jehad, die sie auf den Propheten Mohammad zurückführt die sie als einzige, dem Sinn und dem Geist des Islams entsprechende Definition betrachtet. Ihr Begründer war der friedliche Mahdi des Islams, Hazrat Mirza Ghulam Ahmad. Wer aber durch Wort oder Tat den Jehad dem Terror, dem blinden Fanatismus und der Gewalt gleichsetzt und seine Gefolgschaft zu kriegerischen Auseinandersetzungen im Namen des Jehad aufruft, der hat kein Wort des Qur-âns verstanden und kein Jota der Lehre des Islams begriffen. Ein solcher führt keinen Jehad, vielmehr ist ein Jehad gegen ihn überfällig.

(Aus der Buch Jehad von Scheikh Nasir Ahmad, Zürich September 1991)
 

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