Die islamische Ehe

 

Der Heilige Prophet Mohammad, Frieden und Segnungen Allahs seien auf ihm, hat gesagt: "Wer nicht heiratet, ist nicht von mir". Allah verbietet im Heiligen Qur-ân ausdrücklich das Mönchstum; Zölibat und Single-Dasein sind dem Islam fremd. Indes werden Ehen im Islam nicht durch Zufall oder Augenschein geschlossen, sondern indem die Eltern von heiratsfähigen Kindern gemeinsam mit ihren Nachkommen nach geeigneten Partnern Ausschau halten, was nicht heißt, daß sie ihre Kinder Zwingen dürfen, jemanden zu heiraten. Braut und Bräutigam müssen freiwillig ihre Zustimmung zu einer Ehe geben, dies wird in der Regel schriftlich dokumentiert. Intime Kontakte vor und natürlich auch außerhalb der Ehe sind verboten. Meint man, ein geeignetes Paar gefunden zu haben, werden Treffen zwischen den Familien arrangiert, und es beginnt eine Phase des intensiven Gebets (dem Isthikhara-Gebet in den Worten des Heiligen Propheten(saw), durch das die Partner und ihre Verwandten, oftmals auch spirituell hochstehende Freunde, ein Zeichen von Allah erflehen, ob eine mögliche Ehe glücklich werden wird. Der Heilige Prophet hatte gesagt, daß wegen der Schönheit, der Abstammung, des Geldes oder der Frömmigkeit geheiratet wird, Muslime aber sollten den Partner wegen dessen Frömmigkeit wählen. Sind die Partner nach einer gewissen Zeit (mindestens 14 Tage) mit dem, was ihnen vom Himmel zuteil wurde (mag es ein Traum sein oder auch nur innere Sicherheit) zufrieden, steht der Heirat nichts mehr im Wege. Die Trauung (Nikah) wird in der Moschee vollzogen (in Deutschland geht ihr die standesamtliche Heirat voraus), anschließend (oder auch erst nach einiger Zeit) wird die Eheschließung durch die Rukstana (Heimholung der Braut) vollzogen. Ihr folgt das öffentliche Fest der Walima. Der Ehemann ist verpflichtet, seiner Frau eine Morgengabe (Mäher) in Höhe von etwa sechs Monatseinkommen zu ihrer eigenen, freien Verfügung zu geben. Er hat im Islam zudem die Pflicht, seine Familie zu ernähren und zu versorgen. Arbeitet seine Frau auch (was sie nur mit der Zustimmung ihres Mannes soll), steht ihr das verdiente Geld zu, ohne daß sie verpflichtet wäre, irgendetwas davon auszugeben.

Die Ehefrau hat die Pflicht, das gemeinsame Haus zu einer Stätte des Friedens zu machen, ihrem Ehemann in allem, was nicht dem Islam widerspricht, zu gehorchen, seine Geheimnisse zu wahren, auch in Krisensituationen seine Schwächen nicht nach außen zu tragen und die Kinder nach besten Kräften zum Guten zu erziehen.

Allah sagt im Heiligen Qur-ân, daß er zwischen die Eheleute Zärtlichkeit gesetzt hat. Es heißt ausdrücklich, daß die Frau dem Manne ein Gewand ist und der Mann der Frau ein Gewand ist. Das bedeutet, daß, wie es ein Gewand tut, man einander Schutz vor Kälte und Hitze geben soll und aneinander Schönheit, Freude und Frieden finden soll. Allah sagt im Heiligen Qur-ân auch, indem er die Männer ermahnt, daß jemand, dem an seiner Frau etwas nicht gefällt, nachdenken soll, denn vielleicht hat Allah gerade in das, was nicht seine Zuneigung sieht, viel Gutes gelegt.

Der Ehemann ist nicht nur verpflichtet, für das körperliche Wohl seiner Frau zu sorgen, er hat laut dem Heiligen Qur-ân auch nicht das Recht, sie roh oder unfreundlich zu behandeln. Sie ist nicht seine Dienerin, wie Gott einmal dem Verheißenen Messias und Mahdi des Islam, Hazrat Mirza Ghulam Ahmad, Frieden sei auf ihm, offenbarte, sondern seine Gefährtin. Er hat somit kein Recht darauf, sich bedienen zu lassen und der Vorzug seiner Männlichkeit, der sich in einer bestimmten körperlichen Stärke manifestiert, gibt ihm nicht das Recht zu machohaftem oder paschahaftem Verhalten.

Das Prinzip der Ehe ist ja, in ihr zur größtmöglichen Vollkommenheit der Seele zu reifen, was bedeutet, daß im Durchsetzen egoistischer Interessen und dem Ausbeuten des anderen niemals ein Ziel gesehen werden darf. Die Ehe soll erfüllt sein vom Bestreben, dem Partner zu helfen und Liebe zu ihm ständig wachsen zu lassen. Das bedingt, daß man vor der Schönheit anderer die Augen verschließen soll und nicht durch Flirts o. ä. dem Ehebruch auch nur nahen darf, wie der Heilige Qur-ân fordert.

Anstatt sich bedienen zu lassen, soll man sich bemühen, dem anderen zu dienen und eine hohe Stufe der Selbstlosigkeit zu erlangen. Der Heilige Qur-ân gibt uns dazu das Gebet: "0 Allah, gewähre uns an unseren Ehepartnern und Kindern Augentrost und mache sie und uns zu einem Vorbild für die Rechtschaffenen". Konflikte sollen in Ruhe und Geduld, durch Gebet und Gespräch ausgetragen werden. Der Heilige Prophet hat besonders die Männer aufgefordert, sehr oft Allah um Vergebung zu bitten und gesagt, daß mit jedem solchen Gebet Allah ihren Frauen eine Segnung gewährt, was die innige Verbundenheit zwischen den Eheleuten beschreibt.

Wird dennoch in Erwägung gezogen, sich scheiden zu lassen (was Frau und Mann zusteht und nicht durch das dreimalige Aussprechen einer Formel geschehen kann, wie manche meinen), sollen Bemühungen angestrengt werden, mit Hilfe von Verwandten und Freunden eine Wiedervereinigung zu erzielen. Scheitert das, setzt das im Heiligen Qur-ân beschriebene neunmonatige Scheidungsverfahren ein, falls der Mann die Trennung wünscht. Dem Scheidungsbegehren einer Frau kann indes sofort von einem Richter zugestimmt werden. Mann und Frau sollen sich aber bewußt sein, daß, wie der Prophet sagte, von allen erlaubten Dingen die Scheidung das ist, was in den Augen Allahs am hassenswertesten ist. Die Ehe soll daher nicht als auf das Erdenleben beschränkt angesehen werden, sondern ist auch für die Ewigkeit nach dem Tode bestimmt. Unter Umständen, etwa, wenn durch Krieg viele Frauen Witwen geworden und ihnen und den Waisenkindern eine Familie fehlt, ist es dem Mann erlaubt, mehrere (bis zu vier gleichzeitig) Frauen zu heiraten, aber nur, wenn er in der Lage ist, zwischen ihnen vollkommene Gerechtigkeit walten zu lassen. Eine Ehe, in der eine Frau mehrere Männer hat, ist wegen der sozialen Beziehungen nicht erlaubt, zum Beispiel wüßte man in der Regel nicht, von welchem Mann ein mögliches Kind ist. Vor allem dient die Ehe der moralischen und spirituellen Vervollkommnung.

von

Hadaytullah Hübsch

Verlag der Islam

 

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