Häufig gestellte Fragen über Islam

Frage : Was ist Sinn und Zweck des Fastenmonats Ramadan ?

ANTWORT: Der neunte Monat des Mondjahres, Ramadan, kehrt für die islamische Welt alljährlich wieder als Fastenmonat. Er erfordert gewisse, wenn auch nicht allzu rigorose Disziplin, bedingt durch eine Umstellung im Rhythmus des täglichen Lebens.

Die Einrichtung des Fastens ist in erster Linie da, um Zeit und Anlass für die innere Einkehr des Menschen zu finden. Das Allzumenschliche -Essen, Trinken, Schlafen - wird während der Fastenzeit reduziert und damit die Voraussetzung für den Schliff des Geistes, die Erfrischung der Seele und nicht zuletzt für die Erneuerung des Körpers geschaffen.

Man hat plötzlich mehr Zeit für alles, vor allem zur Besinnung und für die Pflege der Seele, die im Laufe des Jahres etwas in Rückstand geraten ist. Die äußeren Begleitumstände des Fastenmonats - sich jeglicher Nahrung während des Tageslichts zu enthalten - sind nicht das Endziel, sondern der Rahmen für die Erreichung des eigentlichen Ziels. Man sucht engere Verbindung mit dem Geistigen und Seelischen als mit dem Materiellen. Man konzentriert sich auf das Gute, sei es in Gedanken oder im Handeln (Armenspende ist ein besonderes Merkmal des Fastenmonats) opfert das Äußerliche dem Innerlichen, das Nahe und Fassbare dem Fernen und Unfassbaren, das Sichtbare dem Unsichtbaren, das Materielle dem Geistigen und Seelischen, das Weltliche dem Göttlichen, das Diesseitige dem Jenseitigen.

Hunger und Durst zu erleiden ist bei weitem nicht der alleinige Zweck des Fastens. Was nützt die Schale ohne Kern?

Während des ganzen Jahres durchläuft man die Lebensbahn fast ohne Sperren, wobei die Gefahr besteht, einmal die richtige Bahn zu verlassen oder den Sinn für Proportionen zu verlieren, ohne es wahrzunehmen. Und wenn man es merkt, ist es oft zu spät, denn jede kleine Abweichung kann für die Orientierung verhängnisvolle Folgen haben. Aber da ist der alljährliche Fastenmonat, der sich regelmäßig einstellt, eine kleine Sperre, eine Schranke mit Wegweiser, eine Weiche, die wieder auf das richtige Geleise führt.

Der Fastenmonat ist ohne Zweifel ein Segen für Geist, Körper und Seele Die anfängliche Umstellung oder einige Schwierigkeiten in den ersten paar Tagen gleichen der Reaktion auf einen Impfstoff, der später einen Schutz bieten soll. Damit die Wirkung wirklich spürbar wird, dafür sorgt die weise Einrichtung, die die Fastenzeit einen ganzen Monat dauern lässt Wenn es nur vereinzelte Tage im Jahr wären, würde nicht viel an Wirkung und Nutzen zu spüren sein. Aber ein Monat schafft das günstige Klima, und während er langsam zu Ende geht, steigen Eifer und Sehnsucht der Fastenden immer mehr.

Der Islam ist keine Religion der Askese. Er verlangt nicht, dass man immer ein Leben der Entbehrungen führen soll. Er ist nicht gegen den massigen Genuss im Leben, doch verlangt er vom Menschen, manchmal auch daran zu denken, dass er nicht allein vom Brot lebt - das gehört übrigens zur Lehre aller Propheten -, und der Fastenmonat ist dazu ein vorzügliches Mittel.

Da der Islam eine universelle Religion ist, wäre es verfehlt zu behaupten, dass das Fasten gerade in den westlichen Ländern nicht gut durchzuführen sei. Ein zivilisiertes und fortschrittliches Land kann und darf sich über das Fasten, wie es der Ramadan verkörpert, nicht hinwegsetzen, sonst entbehrt es einen wichtigen Bestandteil aller Zivilisation und Kultur Ja es darf behauptet werden, dass der Fastenmonat in Ländern mit üppigen Mahlzeiten einen noch viel größeren Segen bedeuten würde als in Ländern mit magerem Tisch – auch wenn man dabei nur das körperliche Wohl in Betracht ziehen würde.
 

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