Häufig gestellte Fragen über Islam

Frage : Wie vollzieht der Muslim die Pilgerfahrt nach Mekka und was sind die Voraussetzungen dazu ?

ANTWORT: Hadsch oder Pilgerfahrt ist eine Pflicht jedem, der über die Mittel verfügt, sie zu erfüllen. Für die übrigen Muslims, die ja in grosser Mehrheit sind, ist die Pilgerfahrt nicht obligatorisch, ja es ist unerwünscht, dass man die Pilgerfahrt vollziehen solle, wenn man dabei seinen übrigen Pflichten gegenüber der Familie nicht nachkommt. Einmal im Leben geht der Muslim, soweit es in seinen Möglichkeiten liegt, nach Mekka, der Stadt, wo der Prophet Mohammad geboren wurde und wo er die ersten 55 Jahre seines Lebens verbrachte, bevor er nach Medina flüchten musste. Mekka ist auch die Stadt, die die Ka'ba, das älteste Gotteshaus auf Erden, beherbergt. Diese Ka'ba, die die Richtung aller Moscheen bestimmt, ist auch ein Symbol der Einheit der Muslims auf der ganzen Welt. An einigen Stellen im Qur-än wird der Muslim immer wieder daran erinnert, dass er seine Pflichten gegenüber der Ka'ba nicht vernachlässigen solle. Gemeint ist damit das Bewusstsein der Solidarität und der Einheit der muslimischen Völker und die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Islams und des Glaubensgutes.

Die Pilgerfahrt, oder der Hadsch, durchläuft alle Jahreszeiten und wird an bestimmten Tagen des letzten Monats des Mondjahres, Zul Hidjah, vollzogen. Der Hadsch wird folgendermaßen durchgeführt: Hat der Muslim den Vorsatz zum Hadsch gefasst, so begibt er sich nach Mekka. Es gibt ausserhalb des heiligen Territoriums Orte, die den Pilgern aus verschiedenen Richtungen her als «Miquat» dienen. An einem solchen Orte begibt sich der Pilger in den Zustand von «Ihräm». Es handelt sich um einen «Weihezustand», in welchem der Pilger sich aller weltlichen Genüsse, vor allem des geschlechtlichen Umgangs, zu enthalten hat. Um die Gleichheit aller Menschen vor Gott zu betonen, wird in diesem Zustand weder Parfüm noch gewöhnliche Bekleidung verwendet. Auch ist, angesichts der friedlichen Atmosphäre, die Jagd verboten. Alle Kultushandlungen der Pilgerfahrt sollen in äusserster Ruhe und Frieden, ohne jeglichen Streit oder Hader stattfinden. Die Männer legen zwei un- genähte, lose Tücher von weisser Farbe an, ein Lendentuch (imr) und ein Umschlagtuch (ridä'), das die linke Schulter, Rücken und Brust teilweise bedeckt. Der Kopf bleibt unbedeckt. Die Frauen behalten ihre gewöhnlichen Kleider, aber diese sollen nur von einfacher Ausführung sein. Die Pilger sagen den folgenden Satz so oft wie möglich auf:

Zu Deinen Diensten, 0 Gott. Es gibt keinen Partner von Dir. Zu Deinen Diensten allein! Aller Preis gehört Dir, alle Segnungen sind von Dir, und alle Herrschaft ist Dein allein. Niemand teilt es mit Dir.

Zu Deinen Diensten allein! In Mekka angekommen, nimmt man gewöhnlich ein Bad und vollzieht den Umgang um die Ka'ba, indem man siebenmal um das älteste Gotteshaus läuft. Dann geht man siebenmal schnellen Schrittes zwischen den Hügeln Safä und Marwa. Das eigentliche Fest beginnt am 8. des Pilgerfahrtmonats, da der Pilger sich nach Minä, einer fünf km von Mekka gelegenen Ortschaft, begibt und wo er, gegen Mittag angekommen, den restlichen Teil des Tages verbringt und die Gebete zu ihren Zeiten spricht. Am nächsten Morgen, dem 9. des Monats, verlässt der Pilger Minä und geht über Masch'ar-al-Haräm (10 km von Mekka) und erreicht die grosse und berühmte Ebene von Arafat, die von Mekka insgesamt 15 km entfernt liegt. Die Mittagsgebete, Zohr und Assr, werden vor dem Betreten der Ebene verrichtet. Nachdem alle Pilger sich in Arafat versammelt haben, hält der Imam eine Ansprache, der die Pilger stehend zuhören. Nach dem Sonnenuntergang kehrt der Pilger nach Muzdalifa, oder Masch'ar-al-Haräm, zurück und verrichtet seine Abendgebete, Maghrib und Ischa. Am folgenden Tag, dem 10. des Monats, begibt sich der Pilger nach dem Morgengebet, Fadschr, zurück nach Minä. Dort bewirft er die drei dort befindlichen Steinhaufen mit je sieben Steinchen, beginnend mit der Jamrat-al-Nqaba. Diese Steinchen gelten dem Satan, dessen Verführungsversuche man auf diese Weise symbolisch ablehnt. Hernach werden Tiere geschlachtet, und dann kehrt der Pilger nach Mekka zurück, nachdem die Männer ihre Köpfe geschoren, gebadet und frische Kleider angelegt haben. In Mekka vollzieht der Pilger nochmals den Umlauf um die Ka'ba, indem er siebenmal rund um das Gotteshaus läuft. Man kann, wenn man will, nochmals für einen kurzen Aufenthalt nach Minä gehen. Während der ganzen Zeit werden Gebete gesprochen, besonders das oben erwähnte Gebet.

Neben dem eigentlichen Hadscb gibt es eine andere Pilgerfahrt, die Kleinere Pilgerfahrt, Umra genannt. Sie ist einfacher und ist nicht an bestimmte Tage gebunden, sondern kann jederzeit vollzogen werden.

Der besondere Vorzug der Einrichtung der Pilgerfahrt muss hier hervorgehoben werden, der darin liegt, dass durch die jährliche Pilgerfahrt der Gedanke der Einheit der islamischen Welt und der Universalität des islamischen Glaubens wach gehalten wird. Bei der Pilgerfahrt nach Mekka besucht der Muslim die heiligen Stätten, die ihn an die Propheten Gottes erinnern; dort trifft er seine Glaubensgenossen aus aller Welt und erneuert seinen Bund mit Gott, Ihm so zu dienen, dass er Sein Wohlgefallen findet. Die Pilgerfahrt nach Mekka stellt ein beispielloses Bild der Zusammengehörigkeit der Menschheit, der Einheit des Menschengeschlechtes und der Einheit des Glaubensbekenntnisses dar. Es versammeln sich im Tale von Mekka Hunderttausende von Muslims beiderlei Geschlechtes, alle in einfachste, weisse Tücher gekleidet; im Aussehen sind sie gleich, und in ihrem Innern hegen sie die gleichen Gedanken, und ihre Lippen stossen die gleichen Gebete zu ihrem Schöpfer aus. Sie haben ihre weltlichen Ränge abgeschüttelt und ihr weltliches Ansehen unkenntlich gemacht. Ein Staatsoberhaupt ist von einem Bauern oder Strassenwischer nicht zu unterscheiden. Alle stehen da, Schulter an Schulter und in der gleichen Gemütsverfassung vor ihrem Schöpfer. In den weltlichen Angelegenheiten mag der eine vom anderen abhängig gewesen sein, aber vor Gott sind sie alle gleich und alle abhängig von Einem. Sie drehen sich um das älteste Haus Gottes, um den Sinn und Zweck ihres Beisammenseins zu unterstreichen: sich in den Willen Gottes zu fügen und alles aufzugeben, um Sein Wohlgefallen zu erlangen, jede Anstrengung auf sich zu nehmen und auch finanzielle Opfer für die Sache Gottes zu bringen. Eine Pilgerfahrt, richtig vollzogen, könnte im Menschen ein neues geistiges Leben hervorrufen, und dies ist auch der Zweck der als Zeremonie erscheinenden, jedoch tief im Einklang mit der Natur des Menschen stehenden Handlungen der Pilgerfahrt. Diese Einrichtung dient zur Vertiefung des eigenen Glaubens und zur Stärkung des Willens, stets für die Sache Gottes bereit zu sein. Nicht nur an den Propheten Mohammad, sondern auch an die Propheten Abraham und Ismael erinnert die islamische Pilgerfahrt und ist somit eine Dokumentierung des Glaubens an alle Propheten, der ein Merkmal des Islam ist.
 

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Deutsche Übersetzung des Heilige Qur-âns