Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

UNSERE LEHRE

von

Hazrat Mirza Ghulam Ahmad von Qadian
 

Der Verheißene Massias von Mahdi, Gründer der Ahmadiyya Muslim Jammat

 

Inhalt

 

1.      Wahrlich, die wahre Religion vor Allah ist Islam                                               Startseite

2.      Die den Heiligen Qur-ân ehren, werden im Jenseits geehrt

3.      Wer zu meiner Gemeinde gehört, und wer nicht

4.      Unser Gott besitzt große und wundervolle Kräfte

5.      Gott allein gibt uns Sicherheit

6.      Hütet euch! Äfft nicht andere Nationen nach!

7.      Das Tor der Offenbarung ist auch jetzt noch offen

8.      Erhabene Stellung des Heiligen Qur-âns

9.      Die erklärende Aufgabe der Sunna

10.  Unterstützende Stellung des Hadith

11.  Prüfstein zur Beurteilung von Ahadith, die Prophezeiungen enthalten

12.  Befreiung von Sünde liegt in vollkommener Überzeugung

13.  Gebt euch nicht mit Fabeln zufrieden

14.  Oh ihr Reichen und Wohlhabenden

15.  Oh ihr Gelehrten des Islams

16.  Landesübliche „Gaddi-Naschins“ und „Pirzadas

17.  Mein liebes Volk! Jetzt ist die Zeit, um der Sache der Religion zu dienen

 

 

 

zurück zur Übersicht

Wahrlich, die wahre Religion vor Allah ist Islam

Seien wir uns ganz im Klaren darüber, daß ein Gelübde wertlos ist, wenn es sich nicht auf den echten und festen Entschluß stützt, unter allen Umständen danach zu leben. Nur derjenige, der voll und ganz und durch und durch nach meiner Lehre lebt, betritt mein Haus, von dem der Allmächtige Gott verheißen hat:

„Ich Selbst beschütze alle diejenigen, die in diesem Hause sind.“

Diese Verheißung soll aber nicht so verstanden werden, dass dieser göttliche Schutz nur diejenigen begünstigt, die innerhalb der vier Wände meines aus Lehm und Ziegeln erbauten Hauses wohnen. Das Versprechen umfasst vielmehr auch alle diejenigen, die meine Lehre im weitesten und vollsten Ausmaße befolgen, und die deshalb wirklich als Bewohner meines geistigen Hauses gelten können.

Voraussetzung für die richtige Befolgung meiner Lehre ist der feste Glaube an einen allmächtigen, allerhaltenden Gott, den Erschaffer aller Dinge, den Unveränderlichen, Immerwährenden und Ewigen. ER zeugt nicht und ward nicht gezeugt. ER ist so heilig, daß für Ihn weder Notwendigkeit noch Anlass besteht, an einem Kreuze oder sonst irgendwie zu leiden oder überhaupt dem Tode unterworfen zu sein. Obwohl weit entfernt, ist ER immer nah, und obwohl nah, ist ER doch fern. Obgleich ER einzigartig ist, sind Seine Manifestationen doch verschiedenartig und mannigfaltig. Jedes Mal, wenn sich im Menschen ein neuer Umbruch vollzieht, wird ER für den veränderten Menschen ein „neuer“ Gott, Der Sich mit dem Menschen durch eine neue Manifestation befaßt, wobei der Mensch im Verhältnis zu seiner eigenen Änderung auch eine Änderung in Gott sieht, was aber nicht etwa heißt, daß Gott Selbst Sich irgendwie ändert; denn ER ist ja ewig, unveränderlich und vollkommen in Sich Selbst; aber mit jedem Wandele zum Bessern im Menschen enthüllt sich auch Gott Selbst in einer frischen und klareren Kundgebung. Mit jedem Fortschritt des Menschen wird eine höhere Manifestation der Allmacht Gottes sichtbar. Aber eine außergewöhnliche Offenbarung Seiner Macht und Seiner Herrlichkeit zeigt Gott nur dann, wenn der Mensch seinerseits eine außergewöhnliche Besserung in sich selbst zeigt, das ist die Wurzel und die Wiege der Zeichen und Wunder, die durch alle Diener Gottes bezeugt wurde und wird. Glaube an Gott mit diesen Kräften, das ist die allerwesentlichste Grundlage unserer Bewegung. Diesen Glauben, prägt ihn euch ein in eure Herzen, aber so, daß er in all euren Regungen, Gefühlen und Wünschen jede Rücksicht auf Eigensucht, Bequemlichkeit und sogar auf Verwandtschaft verdrängt. Zeiget eure standhafte Treue auf Gottes Weg durch gute Taten in eurem täglichen Leben und durch unbeugsamen Mut. Andere in dieser Welt verweigern IHM den Vorzug vor materiellen Mitteln und über die Unterstützung, die sie von ihren Freunden und Beziehungen erhoffen. Aber ihr, gebt IHM den ersten Platz, auf daß ihr im Jenseits zu Seinem Volke gerechnet werden könnet.

Zeichen der Gnade zu zeigen, das ist der ewige Weg Gottes. Aber ihr könnt an diesen Segnungen nur dann teilhaben, wenn kein Widerspruch und keine Trennung zwischen Ihm und euch verbleibt; nur wenn alle eure Wünsche, Hoffnungen und Anliegen in Seinem Willen verschmelzen; nur wenn ihr allezeit, bei Erfolg oder Fehlschlag, in Hoffnung oder Enttäuschung, in demütiger Niederwerfung vor Seinem Tore liegt, auf daß ER mit euch tun möge, was ER will. Nur wenn ihr stets derart handelt, wird in euch dieser Gott erscheinen, Der für lange Zeit Sein Angesicht vor dieser Welt verborgen gehalten hat. Ist also einer unter euch, der nach dieser Lehre leben und wirken will, indem er einzig und allein IHM zu gefallen sucht, und zwar ohne das leiseste Gefühl der Unzufriedenheit über den Weg, den Sein Wille bereitet? Sogar im Unglück solltet ihr frohen Mutes bleiben und Gutes tun, denn das ist das Geheimnis eures Erfolges. Strebeet mit allen Kräften danach, den Gedanken von Gottes Einzigartigkeit und Einheit über die ganze Erde zu verbreiten. Seid freundlich und barmherzig zu Seinen Dienern, zu allen Seinen Geschöpfen: Fügt ihnen kein Leid zu, weder mit eurer Zunge noch mit euren Händen noch in irgend einer andern Weise. Wirket allezeit zum Wohle der Menschheit. Überhebt euch selbst niemals ungebührlich und stolz über andere, nicht einmal über jene, die unter euch stehen. Vermeidet jede herabsetzende oder entwürdigende Rede über oder gegen andere Menschen, auch wenn sie euch schmähen oder verleumden. Seid demütig im Geiste, freundlich und sanft und nachsichtig, mitfühlend mit allen, und ihnen allen Gutes wünschend, auf daß ihr angenommen werdet. Doch gibt es viele, die freundlich, sanft und nachsichtig zu sein behaupten, aber innerlich Wölfe sind; manche sehen äußerlich rein aus, aber in ihrem Herzen nisten Schlangen. Ihr könnt nicht in die Nähe eures Herrn aufgenommen werden, wenn ihr nicht rein seid, und zwar rein sowohl äußerlich als auch innerlich. Seid ihr groß, so habt Erbarmen mit den Kleinen, statt sie zu verachten. Seid ihr weise und geistig gut gebildet, so dienet den Unwissenden mit Worten der Weisheit. Würdigt sie nicht herab duch eitles Prunken mit eurer Bildung. Seid ihr reich, so helfet den Armen, anstatt sie mit selbstsüchtigem und geringschätzigem Stolz zu demütigen. Hütet euch vor dem Pfade der Verderbens. Fürchtet den allmächtigen Herrn; seid rechtschaffen; erniedrigt euch nicht durch Götzendienst vor Dingen und Wesen, die selbst von Gott erschaffen wurden und von IHM abhängig bleiben. Wendet euch gänzlich IHM allein zu, so daß ihr das Interesse an dieser Welt verliert. Werdet gänzlich Gottes, indem ihr ganz und gar IHM allein zu gefallen trachtet und einzig um Seinet willen lebt, indem ihr alles Unreine und Sündhafte hasset, denn ER ist wirklich heilig. Jeder Morgen soll euch ein Zeugnis dafür sein, daß ihr die Nacht rechtschaffen verbrachtet, und jeder Abend soll euch bezeugen, daß ihr tagsüber mit dem Herzen voll von Gottesfurcht wirktet.

Fürchtet nicht die Flüche, mit denen die Welt euch überschütten möchte, denn sie zergehen wie Rauch in der Luft. Sie können nicht den Tag in Nacht verwandeln. Ihr sollt den Fluch fürchten, der von Gott kommt, der die Betroffenen mit Stumpf und Stiel aus beiden Welten ausreißt. Mit Heuchelei und allerlei Ausreden und Vorwänden könnt ihr euch nicht retten, denn der Gott, Der euer Herr ist, kann bis in die tiefsten Winkel eures Wesens sehen. Wie also könnt ihr hoffen, IHN betrügen zu können? Deshalb: Richtet euch selbst auf und läutert euch selbst, auf daß ihr rein und edel werdet und ohne ein geringstes Stäubchen von Finsternis irgendwo in eurem Sein und Wesen, denn wenn ein solches Restchen irgendwo in euch zurückbleibt, so wird es euer Licht wegnehmen. Und wenn in irgend einer Ecke eures Herzens noch so etwas zurückbleibt wie Stolz, leere Anmaßung, nichtige Ansprüche, Heuchelei, Eitelkeit, Eigenliebe oder Trägheit, dann könnt ihr in den Augen eures Herrn nicht angenommen werden. Gebt acht, daß ihr nicht wegen der vermeintlichen Erfüllung von einem oder zwei Geboten in die Einbildung fallet, alles Notwendige getan zu haben; denn Gott wünscht, daß euer ganzes Leben, euer ganzes Sein und Wesen, von einer tiefen und vollkommenen Umwandlung ergriffen werde. Tatsächlich fordert ER von euch, daß ihr einen Tod sterbet, auf daß ER euch ein anderes Leben schenkt. Schlichtet sofort alle eure Streitigkeiten und schließt Frieden untereinander; vergesst die Übergriffe eurer Brüder, denn tatsächlich: der ist schlecht, der nicht gewillt ist, mit seinem Bruder Frieden zu schließen. Er wird abgeschnitten, weil er Zwietracht zu säen versucht. Befreit euch von Eitelkeit, Trotz und Selbstsucht, sowie von allen gegenseitigen Rachegefühlen und allen Sticheleien. Selbst wenn ihr Recht habt, sollt ihr so bescheiden sein, als wenn ihr im Unrecht wäret. Befreit euch von allem, was eure Eitelkeit mästet, denn das Tor, in das einzutreten ihr eingeladen seid, ist nicht breit genug für eine fette Person.

Wie unglücklich ist doch ein Mensch, der es verpaßt, an Wahrheiten zu glauben, die von Gottes Mund kommen, und die ich für euch festhielt! Wenn ihr vor allem anderen wünscht, daß Gott mit euch zufrieden sei, so beeilt euch, untereinander so einig zu werden wie leibhaftige Brüder. Nur der ist der Geehrteste unter euch, der am meisten die Übergriffe seiner Brüder vergibt; und unglücklich ist derjenige, der verstockt bleibt und nicht vergibt. Der Letztere gehört nicht zu mir und hat keinen Anteil an mir. Bleibet in großer Furcht vor dem Fluche Gottes, denn ER ist heilig, äußerst eifersüchtig und außergewöhnlich in Seiner Heiligkeit. Ein Unzüchtiger kann nicht Seine Nähe erreichen; nicht ein einziger der Stolzen kann Seine Nähe gewinnen, noch der Unterdrücker und Ungerechte, noch ein Unredlicher, noch einer, der den Namen Gottes missachtet. Diejenigen, die blindlings über weltliche Vorteile herfallen wie Hunde oder Ameisen, oder wie Geier über das Aas, diejenigen, die nur die Bequemlichkeiten des Lebens gesucht haben, sie können Seine Nähe nicht erreichen. Jedes unreine Auge bleibt weit entfernt von IHM; jedes unreine Herz wird Seiner nicht gewahr. Aber wer immer für IHN Qualen des Feuers erduldet, der soll aus den Flammen gerettet werden; wer um Seinetwillen weint, der soll glücklich gemacht werden, voll von freudigem Lachen und Jubel. Wer um Seinetwegen mit dieser Welt bricht, der soll IHN finden. Mit der tiefsten Aufrichtigkeit des Herzens und mit beständiger Kraft und Glut sollt ihr euch bemühen, die Freunde Gottes zu werden, so daß ER erst recht eurer Freund werde. Seid barmherzig zu euren Untergebenen, freundlich zu euren Ehepartnern und zu den Brüdern, die arm sind, so daß auch euch im Himmel Barmherzigkeit erwiesen werde. Werdet wirklich und wahrhaftig Gottes, so daß auch ER euer werde. Diese Welt ist ein Ort von Tausenden von Übeln, Verwirrungen, Verirrungen und Versuchungen; ergreift darum in aller Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit des Herzens die Hand Gottes, so daß ER diese Übel, Verwirrungen, Verirrungen und Versuchungen von euch fernhält. Kein Übel und kein Unglück entsteht auf dieser Erde ohne Befehl vom Himmel; und kein Unglück wird weggenommen, bevor Barmherzigkeit vom Himmel herabkommt. Darum liegt eure Weisheit darin, daß ihr an der Wurzel festhaltet, ohne über die Zweige zu klagen und zu seufzen. Es ist euch nicht verboten, vorhandene Mittel zu benutzen oder mit menschlichen Bemühungen zu planen: aber verboten ist es, daß ihr euer ganzes Vertrauen auf sie setzt. Unter allen Umständen soll der Wille Gottes geschehen; und für einen, der die Kraft hat, sich auf diesen Standpunkt zu stellen, für den ist der Standort des Glaubens an Gott und des Vertrauens auf Gott immer noch der beste von allen Standorten.

zurück zur Übersicht

Die den Heiligen Qur-ân ehren, werden im Jenseits geehrt

Für euch ist eine weitere, sehr wesentliche Lehre die, daß ihr den Heiligen Qur-ân nicht beiseite legt, wie irgend ein Buch, das vergessen worden ist, denn im Heiligen Qur-ân, und nirgends sonst, liegt euer Leben. Diejenigen, die dieses Heilige Buch ehren, sollen im Jenseits selbst geehrt werden. Diejenigen, die den Heiligen Qur-ân über jeder Tradition und über jeder andern Aussage erhaben halten, sie sollen im Jenseits bevorzugt werden. Nun gibt es auf der weiten Erdoberfläche für die Menschheit kein göttliches Buch außer dem Heiligen Qur-ân; für die Söhne des Menschen gibt es keinen Gesandten und keinen Vermittler außer Muhammad, Allahs Friede und Segnungen auf ihm! So strebet denn, daß ihr für diesen Propheten der Macht und der Herrlichkeit die reinste Liebe heget und pfleget, und gebet sonst keinem den Vorrang vor ihm, so daß ihr im Jenseits als diejenigen aufgenommen werdet, die erlöst und gerettet worden sind. Und seid euch klar bewußt darüber, daß Erlösung nicht etwas ist, das ihr erst im Leben nach dem Tode erfahren werdet. Die wirkliche und wahrhafte Erlösung ist nur diejenige, die schon in diesem Leben ihr Licht zeigt. Wer ist der Erlöste? Nur derjenige, der fest daran glaubt, daß der lebendige Gott eine Wirklichkeit ist, und das Muhammad (Allahs Friede und Segnungen auf ihm) der Vermittler zwischen IHM und der Menschheit ist; daß unter den Himmeln niemand seinen Rang und seine Erhabenheit erreicht; daß kein anderes Buch dem Heiligen Qur-ân gleichkommt; daß Gott für keinen Menschen ein immer währendes Leben wünschte außer für diesen gesegneten Propheten; daß Gott, um den Propheten Muhammad für immer lebend zu erhalten, dafür Sorge getragen, daß die Segnungen von Gesetz („Sharia“) und Spiritualität des Propheten bis zum Tage der Auferstehung weiterwirken. Und eben aus dieser Flut Seiner geistigen Wohltaten für die ganze Menschheit sandte Gott auf diese Welt zuguterletzt den Verheißenen Messias, dessen Ankunft unerläßlich war für die Vollendung des Gebäudes des Islams. Denn es war notwendig, daß diese Welt nicht zu einem Ende kommen sollte, bevor der Bewegung Muhammads die Auffrischung eines geistigen Messias gegeben wurde. Dies ist es, was der folgende Satz des Heiligen Qur-âns anzeigt, nämlich:

„Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast. (1:6)

Moses empfing den Schatz, der durch die früheren Zeitalter verloren worden war, und Muhammad (Allahs Friede und Segnungen auf ihm) empfing den Schatz, den zu verlieren die Bewegung Mose unglücklich genug war. Jetzt steht die Bewegung Muhammads an der Stelle der Bewegung Mose, aber solchermaßen, daß die Bewegung Muhammads tausendmal größer ist als die Bewegung Mose. Desgleichen übertrifft der Messias der Bewegung Muhammads tausendfach Jesus, den Messias der Bewegung Mose. Der Verheißene Messias der Muhammadi-Bewegung kam genau im vierzehnten Jahrhundert nach dem Heiligen Propheten, so wie Jesus vierzehn Jahrhunderte nach Mose erschienen war. Aber nicht genug mit dieser zahlenmäßigen Übereinstimmung der beiden Epochen: Der Verheißene Messias der Muhammadi-Bewegung kam zu einer Zeit, da der Zustand seiner muslimischen Zeitgenossen gleich waren wie der Zustand der Juden zur Zeit Jesu. Deshalb bin ich dieser Verheißene Messias, und sonst niemand. Wer immer ein aufrichtiges „Bai’at“ mit mir eingeht und aus tiefstem Herzensgrunde mein Gefährte wird, so daß er in ständig wachsendem Gehorsam zu mir alle seine persönlichen Ziele und Absichten aufgibt, wer immer das tut, – aber nur unter dieser Bedingung – der ist der eine, für den meine Seele in diesen Tagen großer Qual Fürbitte einlegen wird.

Also denn, all ihr Leute, die ihr euch zu Mitgliedern meiner Gemeinde zählt! Vor Gott sollt ihr nur dann zu Mitgliedern meiner Gefolgschaft gezählt werden, wenn ihr jetzt wahrhaftig auf den Pfaden der Rechtschaffenheit vorwärts zu schreiten beginnt. Verrichtet eure täglichen fünf Gebete mit solch straffer Sammlung und geistiger Ehrfurcht, als ob ihr Gott mit euren leibhaftigen Augen vor euch sähet. Haltet euch um Gotteswillen mit voller Aufrichtigkeit an die Fastentage! Alle unter euch, die der „Zakat“ pflichtig sind, sollten nie verfehlen, diese wichtige Verpflichtung zu erfüllen; und diejenigen, für die das Pilgern nach Mekka obligatorisch geworden ist, ohne daß sie stichhaltig daran gehindert werden, sollten diese segensreiche Reise nicht unterlassen. Tut alle guten Taten mit der ihnen gebührenden Sorgfalt und befreit euch von allem Schlechten mit einer wirklichen Abneigung, die aus dem Herzen aufsteigt. Seid sicher, daß keine Tat, was es auch immer sei, Gott erreichen kann, wenn sie ohne Rechtschaffenheit des Herzens ausgeführt wird. Die Wurzel aller guten Dinge ist „Taqwah““ (Gottesfurcht); jede Tat, in der diese Wurzel nicht verkümmert ist, wird niemals umsonst oder nichtig sein. Auch ist es für euch sehr notwendig, daß ihr durch verschiedene Kümmernisse, Qualen und Nöte, die sich sogar wiederholen können, immer wieder geprüft werdet, so wie die Gläubigen vor euch geprüft wurden. Darum seid vorher gewarnt, damit ihr nicht strauchelt und stolpert, wenn es so weit ist. Diese Erde mit allem drum und dran und drin kann euch nichts anhaben – vorausgesetzt, daß eure Verbindung zum Himmel nicht abreißt. Wenn immer auch ein Unrecht über euch kommt, dann durch eure eigene Hand und nicht durch den Feind. Wenn ihr die irdische Ehre verliert, dann will Gott damit euch eine Ehre im Himmel geben, die nie abnehmen soll. Also löst euch nicht von IHM, was immer auch ihr durchzumachen habt. Euch ist auferlegt, auf verschiedenen Wegen verfolgt zu werden, und manche eurer Hoffnungen Wegen verfolgt zu werden, und manche eurer Hoffnungen werden in nichts zergehen, aber in solchen Fällen sollt ihr euch nicht grämen, denn der Herr, euer Gott, will euch Versuchungen aussetzen, um euch zu prüfen, ob ihr fest und standhaft bleibt oder nicht. Wenn ihr wünscht, daß die Engel im Himmel euer Lob singen, dann nehmt die Schläge hin, die euch manche Leute verabreichen werden, und freut euch; erfahret Enttäuschungen, aber entfernt euch nicht von IHM. Ihr seid das letzte Gottesvolk. Tut das Gute bis zu seiner höchsten Vollendung. Jeder von euch, der nachläßt und träge wird, soll aus der Gemeinde entfernt werden, wie ein schmutziges Ding ausgemerzt und weggeworfen wird. Er soll mit Reue in seinem Herzen sterben, und er wird doch nicht fähig sein, etwas gegen Gott zu unternehmen. Seht und betrachtet! Mit großer Freude übermittle ich euch die frohe Botschaft, daß euer Gott wirklich und wahrhaftig lebt. Obschon wir alle Seine Geschöpfe sind, wählt ER doch nur diejenigen aus, die IHN auswählen. ER Selbst kommt zu jedem, der IHM entgegengeht. ER verleiht Ehre dem, der IHN ehrt.

Nachdem ihr eure Herzen ausgerichtet und eure Zungen, Augen und Ohren gereinigt habt, kommt ihr zu IHM, und ER nimmt euch an. Was den Glauben betrifft, so wünscht Gott von euch eigentlich nur dies, daß ihr an Gottes Alleinigkeit festhaltet, sowie daran, daß Muhammad (Allahs Friede und Seine Segnungen seien auf ihm!) Sein Prophet ist, und zwar der „Khatam-al-Anbia“, und der größte von allen Propheten. Nach ihm hat kein anderer Prophet zu sein, außer einem, dem der Mantel der „Muhammadiyyat“ als ein „Borûz“ gegeben werden soll, da ja der Diener nicht von seinem Meister getrennt ist, noch ein Zweig verschieden ist von seiner Wurzel. Seid vollkommen sicher, daß Jesus, Sohn der Maria, gestorben ist, und sein Grab sich in Kaschmir befindet, nämlich im Khanyar-Viertel in Srinagar. Gott hat über seinen Tod im Heiligen Qur-ân berichtet.

Es soll auch daran erinnert werden, daß ich die hervorragende Bedeutung Jesu (Friede sei auf ihm!) keineswegs verneine. Obwohl Gott mir mitgeteilt hat, daß der Muhammadi-Messias höher im Rang steht als der mosaische Messias, so hege ich für diesen, also für den Sohn der Maria, doch große Hochachtung, da ja vom geistigen Gesichtspunkt aus ich der „Khatam-al-Khulafa“ im Islam bin, und der Sohn der Maria „Khatam-al-Khulafa“ in der israelitischen Kette war. In der mosaischen Verleihung war der Sohn der Maria der Verheißene Messias, und in der Verleihung Muhammads bin ich der Verheißene Messias. Deshalb empfinde ich Hochachtung für Jesus, dessen Name ich trage; und wer da sagt, daß ich ihn nicht hoch achte, der ist ein großer Lügner und ein Unheilstifter.

zurück zur Übersicht

Wer zu meiner Gemeinde gehört, und wer nicht

Nachdem ich alles das erklärt habe, wiederhole ich einmal, daß ihr euch mit dem formellen Gelübde nicht zufrieden geben dürft. Die äußere Form bedeutet nichts: Gott sieht, was innerhalb eurer Herzen liegt, und dementsprechend was ER sieht, behandelt ER euch. Seht! Euch gegenüber erfülle ich meine Pflicht, indem ich euch leicht verständlich mache, daß Sünde ein Gift ist. Nehmt es nicht! Ungehorsam gegen Gott ist ein schmutziger Tod, den ihr vermeiden solltet. Wendet euch dem Gebet zu, auf daß ihr Kraft bekommet! Wer beim Beten nicht fest daran glaubt, daß Gott die Macht hat, alle Dinge zu tun – bis auf Ausnahmen –, dann gehört er nicht zu meiner Gemeinde. Wer Lüge und Betrug nicht aufgibt, gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer der Religion nicht den Vorzug vor den weltlichen Dingen gibt, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer in einer Verwirrung und Verirrung weltlicher Gier gefangen ist und niemals zu Dingen des kommenden Lebens aufschaut, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer sich jeder Sünde und jeder schlechten Tat – wie: Alkohol, Glücksspiel, geilem Hinschauen nach Frauen, Unredlichkeit, aktiver und passiver Bestechung jeder Art – nicht ganz und gar enthält, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer nicht unablässig dem Gebet zugewandt ist und nicht in tiefster Demut an Gott denkt, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer schlechte Gesellschaft mit ihrem unheilvollen Einfluß nicht aufgibt und meidet, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer seine Eltern nicht ehrt, wer ihnen den Gehorsam verweigert in Dingen, die nicht dem Heiligen Qur-ân widersprechen, und wer nachlässig ist im Dienste, den er seinen Eltern ohne Zweifel schuldig ist, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer mit seiner Frau und ihren Verwandten nicht in Freundlichkeit, Güte und Großmut lebt, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer seinen Nachbarn das allerkleinste Wohl in seiner Macht entzieht, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer nicht den Wunsch hegt, die Fehler derer zu verzeihen, die gegen ihn gewirkt haben, und wer Bosheit zu nähren wünscht, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Ob Mann oder Frau, wer zu seinem Ehepartner unredlich ist, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer das zur Zeit der „Bai’it“ mir in die Hand gelobte Versprechen irgendwie bricht, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer mich nicht wirklich zu dem Verheißenen Messias hält, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer nicht bereit ist, mir in allen für gut erkannten Dingen zu gehorchen, der ist nicht von meiner Gemeinde. Und wer aus Gewohnheit unter denen sitzen bleibt, die mir feindlich gesonnen sind, und in stillschweigendem Einverständnis mit ihnen abgleitet, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Jeder Ehebrecher, Ausschweifende, Trunkenbold, Spieler, Mörder, Dieb, jede unredliche und korrupte Person, jeder Machtgierige, Unterdrücker, Tyrann, Lügner, Fälscher, und jeder Verbündete solcher Leute, und jeder, der falsche Beschuldigungen und Skandale über seine Brüder und Schwestern erfindet und erzählt, solche Leute gehören nicht zu meiner Gemeinde, solange sie ihre Missetaten nicht restlos bereuen und mit jeder schlechten Gesellschaft brechen und also ein neues Leben beginnen.

Alle diese Laster und Missetaten sind tatsächlich Gifte; ihr könnt sie nicht einnehmen und dennoch weiterleben, denn Licht und Finsternis vertragen sich nicht. Wer eine verwirrte und verirrte Natur hat, wer mit Gott nicht offen und klar ist, der kann nicht teilhaben an der Segnung, die nur zu denen kommt, die reinen Herzens sind. Wirklich sehr glückselig sind diejenigen, die ihre Herzen läutern, indem sie alle Unsauberheiten davon wegwaschen und ihrem Gott unverbrüchliche Treue geloben, denn sie sollen nie verloren gehen. Es ist unmöglich, daß Gott ihnen Seine Gnade entzieht, denn sie sind Gottes, und Gott ist für sie. Sie sollen aus allen Verwirrungen und Verwicklungen errettet werden. Sie zu belästigen wäre äußerst töricht, denn wahrlich, sie sind im Schoße Gottes, Der immer bereit ist, sie zu beschützen. Wer hat sich ganz und gar zum Glauben an Gott bekannt? Wirklich nur diejenigen, die so sind wie die eben Beschriebenen. – Aber töricht, schlecht und voll Unheils in seinem Herzen ist auch, wer sich um einen frechen Sünder ängstigt, denn dadurch würde er sich ja selbst vernichten. Seit dem Tage, da Gott diesen Himmel und diese Erde erschuf, ist es nie vorgekommen, daß ER diejenigen vernichtete, die gut waren. Die Guten ließ ER allezeit gute Taten vollbringen, und ER wird es auch jetzt tun.

zurück zur Übersicht

Unser Gott besitzt große und wundervolle Kräfte

Dieser Gott ist ein sehr treuer Gott, und denen, die IHM treu bleiben, zeigt ER wundervolle Werke. Die diesseitige Welt wünscht sie in Stücke zu zerreißen und aufzufressen; und jeder Feind wetzt seine Zähne an ihnen; aber ER, der Freund Seiner Getreuen, rettet sie vor jeder Gefahr und macht sie auf jedem Gebiete ruhmvoll und siegreich. Wie glücklich ist also, wer seinen Halt an solch einen Gott nicht losläßt! IHM bringen wir unseren Glauben und IHN haben wir anerkannt. Von der ganzen Welt ist ER allein der Gott, Der Seine Offenbarung an mich herabgesandt hat; Der für mich machtvolle Zeichen gezeigt hat; Der mich als den Verheißenen Messias dieses Zeitalters herabgesandt hat. Es gibt keinen Gott außer IHM, nirgends, weder in den Himmeln noch auf Erden. Wer sich IHM nicht gläubig unterwirft, der bleibt Seiner Hilfe beraubt. Von unserm Gott haben wir Offenbarung empfangen, die wie die Sonne strahlt. Wir haben gesehen, daß ER allein der Gott der ganzen Welt ist, und es gibt keinen andern Gott.

Wie machtvoll ist tatsächlich der Gott, Den wir gefunden haben, und wie allerhaltend ist ER! Und wie groß, wie wundervoll sind die Eigenschaften des Gottes, Den wir gesehen haben! Die Wahrheit ist die, daß für IHN nichts unmöglich ist, außer was Seinem eigenen Buch widerspricht und Seinem eigenen Versprechen. Deshalb, wenn ihr IHN bittet, sollt ihr nicht sein, wie jene unwissenden Naturalisten, die aus sich selbst ein Naturgesetz konstruiert haben, das nicht die Prägung Gottes trägt, denn sie gehören zu den Verworfenen, deren Gebete und Bitten nie angenommen werden. Sie sind blind, nicht mit Sehkraft begabt; sie sind tot, nicht lebendig. Sie stellen ein von ihnen selbst konstruiertes Gesetz vor Gott, und sie übertragen ihre eigene Beschränktheit auf Seine Kräfte, indem sie IHN noch über ihre eigene Beschränktheit hinaus für schwach und hilflos halten. Natürlich waren sie so behandelt, wie ihr Zustandes glänzen.

Wenn du dich zum Gebet bereit machst, so obliegt es dir, daran zu denken, daß dein Gott allmächtig ist, und daß kein einziges Ding außerhalb Seiner Macht ist. Nur dann wird dein Gebet angenommen, und nur so kannst du jene Wunder der Macht deines Gottes bezeugen, die wir bezeugt haben. Und wohl gemerkt: unser Zeugnis beruht nicht auf Hörensagen, sondern es beruht auf Dingen, die wir selbst gesehen haben. Wie können die Gebete eines Menschen angenommen werden, der nicht fest daran glaubt, daß alle Dinge von Gottes Macht abhängig sind? Und wie kann ein solcher Mensch in sich selbst den Mut haben, Gott um Abhilfe oder Änderungen zu bitten, die den von ihm gemeinten Naturgesetzen widersprechen würden? Aber du, o guter Mensch, dein Gott ist ER, Der ohne jeden Pfeiler darunter die zahllosen Sterne im Weltraum aufgehängt hat; und Der die Erde und die Himmel aus dem absoluten Null und Nichts erschuf. Wagst du etwa zu behaupten, daß ER nicht imstande sein wird, dir bei deinen Unternehmungen zu helfen? Tatsache ist, daß deine eigene irrige Auffassung dich Seiner Segnungen berauben wird. In unserm Gott gibt es unzählbare wundervolle Dinge, aber diese sind nur von jenen bezeugt, die sich IHM aufrichtig und vertrauensvoll unterworfen haben. Jene Wunder enthüllt ER nicht jenen, die kein Vertrauen zu Seinen Kräften haben und nicht treu und ehrlich sind.

Wie unglückselig ist doch ein Mensch, der nicht einmal weiß, daß er einen Gott hat, Der über alle Dinge mächtig ist! Unser Paradies ist tatsächlich unser Gott; unsere höchste Freude ist in Gott, denn wir haben IHN gesehen, und alle Schönheit fanden wir in ihm. Dieser Schatz ist wert, daß man ihn bekommt, sogar wenn er unser leibliches Leben kostet, und dies ist ein Juwel, das sogar dann erstrebt werden sollte, wenn es nur durch Aufopferung unseres ganzen Seins und Wesens erreichbar wäre. 0 ihr, die ihr beraubt seid, rennet zu diesem Quell, denn er wird euren Durst löschen. Es ist der Quell des Lebens, der euch retten wird. Was soll ich tun, und wie soll ich diese frohe Botschaft in euren Geist einprägen? Mit welcher Trommel sollte ich durch die Straßen ziehen und ausrufen, daß Dieser euer Gott ist, so dass alle es hören können! Und mit welcher Salbe soll ich die Leute behandeln, damit ihre Ohren sich zum Hören öffnen!

zurück zur Übersicht

Gott allein gibt uns Sicherheit

Wenn ihr euch Gott wirklich und wahrhaftig unterwerfet, dann könnt ihr ganz versichert bleiben, daß Gott euer eigentlicher Beschützer und Helfer ist. Während ihr schlafet, wacht ER über euch und vereitelt die Anschläge eurer Feinde. Und doch habt ihr noch keinen richtigen Begriff von den wundervollen Kräften Gottes; sonst würdet ihr euch nie mehr um die materielle Not des kommenden Tages sorgen. Der Besitzer eines Schatzes verzweifelt nicht wegen eines verlorenen Pfennigs, als ob er zugrunde ginge. Hättet ihr aber diesen euren Schatz erkannt, hättet ihr die Gewißheit, daß Gott für all eure Bedürfnisse genügen wird, welchen Grund habt ihr dann noch, so eng an Dinge dieser Welt gefesselt zu bleiben? Gott ist der allerwertvollste Schatz! Ohne Gott seid ihr gar nichts, weder ihr persönlich noch eure materiellen Mittel und Pläne. Folget nicht den Spuren anderer Völker, die schon so tief gesunken sind, daß sie gänzlich von materiellen Mitteln abhängig sind. Wie eine Schlange Erde frißt, so existieren sie nur noch durch niedere und minderwertige Materie. Gleich Aasgeiern und Hunden verbeißen auch sie sich in Kadaver. Tatsächlich, sie sind sehr weit von Gottes Weg abgewichen, indem sie zur Vergötzung menschlicher Wesen auch noch das Essen von Schweinefleisch aufbrachten, und den freien Gebrauch von Wein, als ob er harmlos wäre wie Wasser. Weil sie zu sehr von materiellen Mitteln abhängig sind, anstatt die Hilfe Gottes zu suchen, deshalb sind sie tot, und der himmlische Geist ist von ihnen ausgeflogen wie eine Taube aus ihrem Nest. Die Lepra der Mammon-Vergötzung hat das Innere ihrer Herzen und die Organe ihres inneren Geisteslebens zersetzt. Hütet euch vor dieser Lepra! Ich verbiete euch nicht, die vernünftige Anwendung materieller Mittel innerhalb passender Grenzen zu erwägen; was ich verbiete, ist das, daß ihr gleich anderen Nationen gänzlich die Sklaven materieller Mittel werdet und dabei Gott vergesset. Wenn ihr die Augen zum Sehen hättet, werdet ihr erkennen: Es gibt nur Gott, und Gott allein, und außer IHM ist alles wertlos. Ihr könnt nicht einmal euren Arm ausstrecken, noch ihn beugen, es sei denn mit SEINER Erlaubnis. Ein geistig toter Mensch mag darüber lachen, aber es wäre besser für ihn, daß er stürbe, bevor er sich diesem Gelächter ergibt.

zurück zur Übersicht

Hütet euch! Äfft nicht andere Nationen nach!

Hütet euch! Nachdem ihr gesehen habt, wie andere Nationen in ihren weltlichen Bestrebungen beachtliche Erfolge erreicht haben, sollt ihr nicht den Wunsch spüren, ihren Fußstapfen zu folgen. Höret und beachtet sorgfältig, daß sie fremd und unbedachtsam der Tatsache gegenüber sind, daß Gott es ist, Der euch alle zu Sich ruft. Was ist ihr „Gott“ anderes als ein gebrechliches Menschenwesen, und deshalb wurden sie in solch einem selbstzufriedenen Irrtum gelassen und verlassen. Ich will euch nicht vom Streben nach weltlichem Gut abhalten, aber ihr sollt nicht die Wege derer befolgen, die meinen, diese gegenwärtige Welt sei alles und Selbstzweck.

In allem, was ihr tut, ganz gleich, ob es das eine weltliche oder religiöse Angelegenheit ist, sollt ihr Hilfe und Unterstützung allein von Gott suchen, und das soll fortwährend der leitende Grundsatz eures Lebens sein und bleiben. Aber dieses Hilfesuchen soll nicht nur von den Lippen kommen: Im innersten Grunde eures Wesens sollt ihr unerschütterlich davon überzeugt sein, daß jeder Segen allein vom Himmel kommt. Ihr könnt nur dann wirklich rechtschaffen sein, wenn ihr in schwierigen Lagen und Zeiten vor dem Entwerfen eurer Pläne euch in eure Kammer einschließt und vor dem Throne des Allmächtigen Gottes niederfallet und Seine Gnade und Hilfe und Unterstützung laut erflehet. Dann wird der heilige Geist euch zu Hilfe kommen, und durch ungesehene Mittel wird euch ein Ausweg geötfnet werden. Habt Mitleid mit euren Seelen und seid nicht wie jene, die sich selbst von Gott abgeschnitten haben und materiellen Mitteln verfallen sind, und zwar so übermäßig, daß sie nicht einmal mehr formell die Worte „Insha-Allah“ („so Gott will“) über ihre Lippen bringen. Möge Gott euch die Augen öffnen und euch erkennen lassen, daß ER der Stützbalken für alle eure Unternehmungen ist; ohne Seine Hilfe müssen sie unfehlbar wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen. Wenn ihr IHN nicht um Seine Hilfe anflehet, wenn ihr das nicht zum ersten und letzten Grundsatz eures Lebens macht, so werdet ihr keinen Erfolg haben und müsset zuletzt in großer Reue sterben.

Wundert euch nicht, warum andere Völker so erfolgreich sind, obgleich sie nicht die geringste Idee von eurem Vollkommensten und Allmächtigsten Gott haben. Die Antwort ist einzig und allein die, daß sie mit materiellen Machtmitteln geprüft werden, weil sie Gott verlassen haben. Oft genug verläuft eine von Gott verfügte Prüfung derart, daß gerade derjenige fast ungehindert von der materiellen Welt profitieren kann, der ihren leiblichen Genüssen frönt und seinen Verstand gänzlich auf materiellem Reichtum einstellt und ausrichtet und darob Gott vergißt. Doch in religiöser und geistlicher Hinsicht ist solch ein „Erfolgsmensch“ ganz hilflos und nackt. Ganz und gar an diese Welt gefesselt, wird er ihr zuletzt doch entrissen, nämlich durch den Tod, um in eine fast ewige Hölle geworfen zu werden. Manchmal aber verläuft die Prüfung auch so, daß solch ein Materialist sogar in seinem einseitigen Streben nach materiellem Reichtum erfolglos bleibt. Aber diese Prüfung ist nicht so gefährlich wie die zuerst erwähnte, die maßlosen Stolz und Größenwahn züchtet. Auf jeden Fall gehören diese beiden Gruppen zu denen, auf die der Zorn fällt. Der wahre Urquell für jegliches Gedeihen ist Gott. Wenn also solche Leute diesem Lebendigen und Allerhaltenden Wesen gegenüber achtlos, ja sogar sorglos bleiben, oder sich von IHM abwenden, wie kann ihnen dann wirkliches Gedeihen zugute kommen? Gesegnet sind alle, die dieses Geheimnis verstehen, aber dem Verderben ausgeliefert ist derjenige, der es nicht begreifen will.

Ähnlich verhält es sich mit den weltlichen Philosophen. Fangt gar nicht an, ihnen zu folgen, und schaut nicht ehrenvoll auf sie! All dies bildet nur reine Unwissenheit. Die wirkliche und wahre Philosophie ist einzig diejenige, die Gott euch in Seinem Heiligen Buche gegeben hat. Verdorben sind Leute, die jenen weltlichen Philosophien verfallen sind; und erfolgreich sind alle, die wirkliche Wissenschaft und Philosophie aus dem Heiligen Qur-ân schöpfen. Warum wählt ihr die Pfade der Unwissenheit? Warum rennt ihr den Blinden nach? Etwa in der Hoffnung, sie könnten euch den Weg weisen? O ihr Toren, wie kann einer, der selbst blind ist, euch den Weg weisen? Die Wahrheit liegt in der Tatsache, daß die wahrhaftige Philosophie einzig und allein durch den heiligen Geist vermittelt wird. Durch diesen Geist werdet ihr zu jenen Wissenschaften kommen, die andern nicht zugänglich sind. Wenn ihr aufrichtig um diesen Geist bittet, so werdet ihr ihn zuletzt bekommen, und dann werdet ihr finden, daß dies die einzige Wissenschaft ist, die dem Herzen Frische und Leben verleiht und es auf einen festen Turm vollkommener Gewißheit und Sicherheit erhebt. Wie kann ein Mensch, der sich selbst von Aas ernährt, euch reine und heilige Nahrung bringen? Wie kann einer, der selbst blind ist, euch den Weg weisen? Alle reine und heilige Weisheit kommt allein vom Himmel. Was sucht ihr bei jenen, die nur dieser Erde verhaftet sind? Weisheit erben allein die, deren Seelen sich zu den Himmeln emporschwingen. Jene aber, die selbst unzufrieden sind, wie können sie euch Zufriedenheit verschaffen? Das allererste und wesentlichste ist Lauterkeit des Herzens: Aufrichtigkeit und Reinheit müssen zuerst kommen; danach sollt ihr alles erhalten.

zurück zur Übersicht

Das Tor der Offenbarung ist auch jetzt noch offen

Denket nicht, daß Offenbarung von Gott künftig nicht mehr möglich sei; daß sie nur in der Vergangenheit möglich war; denket nicht, daß der heilige Geist jetzt nicht mehr herabkommen könne. Ich sage euch wahrhaftig, daß jedes Tor geschlossen werden kann, nur nicht das Tor, durch das der heilige Geist herabkommt. Öffnet alle Türen eures Herzens zu seinem Empfange. Mit euren eigenen Händen beraubt ihr euch des Lichtes dieser Sonne, wenn ihr selbst die Fenster verhängt durch die es hereinfluten könnte. Also rafft euch auf und reißt diese Fenster weit auf, so daß dieses Licht mit der Einfachheit und Unvermeidlichkeit eines natürlichen Vorganges in euer Herz eindringen kann. Wenn Gott die Tore Seiner materiellen Segnungen für die Welt nicht geschlossen, sondern im Gegenteil noch viel zahlreicher als früher machte, wagt ihr da zu vermuten, daß ER die Tore Seiner geistigen Segnungen über euch geschlossen habe, und dies gerade in einer Zeit, da sie am meisten benötigt werden? Nein, nein, keineswegs! Diese Tore sind geöffnet worden und jetzt noch offen; daran kann nicht im geringsten gezweifelt werden, und dies lehrte Gott schon in der Sura „Al-Fateha“. Wenn nun das Tor aller früheren Segnungen für euch geöffnet bleibt, warum vernachlässigt ihr es, diese Segnungen zu empfangen? Schaffet einen Durst für diese Quelle! Schreit wie ein Säugling, auf daß diese Milch in der Brust aufquellt! Habt Mitleid, auf daß euch Mitleid zuteil werde! Zeiget Besorgnis und tiefe Unruhe, auf daß eure Gemüter beruhigt werden. Rufet immer wieder flehentlich um Hilfe, auf daß eine Hand sich euch hinstreckt und euch Halt gibt. Wie schrecklich schwierig ist doch der Weg, der zu unserm Herrn führt! Aber leicht ist er gemacht füs alle, die den Sprung in den Abgrund wagen, d. h. fest entschlossen sind, dem [leiblichen] Tode zu begegnen. Gesegnet sind diejenigen, die um des Herrn willen einen Krieg gegen das eigene Ich wagen; aber wirklich engstirnig sind jene, die um ihres niederen Selbstwillen sich zu einem Krieg gegen den Herrn erdreisten und sich weigern, unter Seinem Willen sich selbst gehorsam umzuformen. Wer auch immer um seines Selbsts willen einem Befehl Gottes ausweicht, der wird niemals in den Himmel eingehen. Strebt also bis zum Äußersten danach, daß kein Jota und keine Silbe des Heiligen Qur-ân gegen euch zeugen kann, und diesem Ziel verpflichtet euch ganz und gar. Denn in Wirklichkeit ist sogar ein einziges Körnlein des Übels strafbar. Die Zeit ist sehr kurz, der Auftrag eures Lebens noch nicht erfüllt. Beeilt euch, denn bald dämmert die Nacht herauf. Was immer auch ihr eurem Herrn anzubieten habt, prüft es genau und so oft ihr nur könnt, damit nicht irgend ein Fehler verbleibt, der endgültigen Verlust verursachen könnte; oder: damit ihr nicht etwas mit euch nehmt, das sich in Wirklichkeit zu einem Haufen unechter und unflätigen Waren ansammeln könnte, die nicht wert wären, einem königlichen Hofe dargereicht zu werden.

zurück zur Übersicht

Erhabene Stellung des Heiligen Qur-âns

Ich habe in Erfahrung gebracht, daß einige von euch das “Haidth“ in Bausch und Bogen verwerfen. Wer das tut, befindet sich in offenbarem Irrtum, den ich immer bekämpft habe. Ich betone nachdrücklich, daß Gott für eure Führung drei Lehrmittel vorgesehen hat: Das erste von ihnen ist der Heilige Qur-ân, der kraftvoll auf die Einheit Gottes hinweist, sowie auf Seine Erhabenheit und Seine Größe; der Qur-ân entscheidet über alle Streitfragen zwischen den Juden und den Christen; ferner verbietet er, daß ihr irgend etwas außer Gott verehret, weder Mensch noch Tier, weder Sonne noch Mond, noch irgend einen andern Himmelskörper, noch materielle Mittel, noch euch selbst. Also hütet euch! Tut nicht das Geringste, das dem Heiligen Qur-ân widersprechen könnte. Wer immer auch nur das letzte von den siebenhundert Geboten und Verboten des Heiligen Qur-âns mißachtet, der wirft sich selbst das Tor der Rettung zu. Die wirklichen und vollkommenen Wegweiser der Erlösung finden wir einzig und allein im Heiligen Qur-ân; alle andern waren nur ihre Schatten. Deshalb sollt ihr diese Heilige Schrift sehr aufmerksam und nachdenklich studieren, und ihr solltet sie lieben, wie ihr sonst niemals etwas geliebt habt.

Gott hat mir wörtlich gesagt: „Das Gute allerart liegt im Qur-ân.“ – Gutes allerart finden wir in ihm, und das ist die Wahrheit. Unglücklich sind tatsächlich die Leute, die ihm andere Dinge vorziehen. Der Heilige Qur-ân ist der Urquell für eure ganze Besserung und für euren Erfolg. Es gibt nicht einen einzigen geistigen Nutzen, der nicht für euch in diesem Heiligen Buche enthalten ist.

Am Tage des Gerichts wird euer Glaube am Heiligen Qur-ân gemessen werden; und außer dem Qur-ân gibt es unter den Himmeln kein anderes Buch, das euer unmittelbarer Wegweiser sein könnte. Mit diesem erhabensten Buch hat Gott euch Seinen größten Segen verliehen. Wäre es den Christen offenbart worden, wie es euch offenbart wurde, dann hätten die Christen den Weg zu Gott nicht verloren; und wäre diese euch gewährte Führung auch auf die Juden ausgedehnt worden – anstelle ihrer Thora -, dann hätten sich viele ihrer Sekten nicht dahin verirrt, den Tag des Gerichts zu leugnen. Schätzt diese Gnade, die euch anvertraut worden ist! Sie ist unvergleichlich kostbar und der aller größte Schatz! Ohne den Heiligen Qur-ân wäre die ganze Welt nur ein Kloß halbgeformten Fleisches geblieben. Tatsächlich kann nicht einmal die Gesamtheit aller anderen Schriften und Führungsquellen würdig sein, mit dem Heiligen Qur-ân verglichen zu werden.

Der Heilige Qur-ân kann den Menschen innerhalb einer Woche reinigen und läutern, vorausgesetzt, daß nicht versucht wird, in Form oder Geist von ihm abzuweichen. Der Qur-ân kann euch wie die Propheten machen, vorausgesetzt, daß ihr euch nicht dagegen sträubt. Welches andere Buch hat jemals seine Leser ein Gebet gelehrt wie dieses, das am Anfang des Heiligen Qur-âns steht:

Das bedeutet: Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen DU Gnade erwiesen hast, und denen DU Deine Segnungen verliehen hast und damit eine große Hoffnung, nämlich die Hoffnung auf den Weg der „Siddiqs“, der „Schohada“ und der „Salihin“; ihnen ist dieser Weg sichtbar gemacht, und auf ihm erreichen sie jene Segnungen, die schon denen verliehen wurden, die zu den Propheten gehörten. Deshalb erhebet euch zum edlen Entschluß und weist nicht die Einladung des Heiligen Qur-âns zurück, wenn er euch aufruft, mit allen euren Kräften die Segnungen zu erstreben, die schon den früheren Völkern gespendet wurden. Gott ist tatsächlich dazu geneigt, euch noch mehr zu verleihen. Gott hat euch zu den Erben ihres ganzen geistigen und materiellen Vermögens gemacht, und bis zum Tage der „Qiyama“ wird es nicht von euch auf Ungläubige übergehen. Gott wird euch die Segnung der Offenbarung nicht vorenthalten, ebensowenig wie die fühlbaren Formen der Verbindung mit IHM, die man allgemein „Mokalamat“ und „Mochatabat“ nennt. Gott wird euch alle jene Segnungen spenden, die ER jeweilen schon frühem Gläubigen gewährte. – Sollte aber irgend ein schamloser Lügner sich zu der unwahren Behauptung erdreisten, er habe von Gott eine Offenbarung erhalten, oder ihm sei die Ehre der Verbindung mit Gott, also die sogenannte „Mokalamat“ und „Mochatabat“ verliehen worden – obgleich ihm tatsächlich keine solche Ehrung und keine Offenbarung gewährt wurde –, dann rufe ich gegen einen solchen Lügner und Schwindler den allerhöchsten Richter an und Seine Engel als Zeugen.

zurück zur Übersicht

Die erklärende Aufgabe der Sunna

Als zweites Führungsmittel wurde den Muslimen die Sunna gewährt, d. h. die Maßnahmen, die der Heilige Prophet ergriffen hat, um die Lehren und das Wesen des Heiligen Qur-âns durch Anwendung zu erklären. Hierzu ein Beispiel: Nur oberflächlich betrachtet scheint der Heilige Qur-ân keine Einzelheiten über die Anzahl der „Rak'aats“ für jedes der fünf täglichen Pflicht-Gebete zu enthalten; aber die Sunna des Heiligen Propheten hat das alles sehr klar gemacht. Niemand sollte dem Irrtum verfallen, daß das Haidth  und die Sunna ein und dasselbe seien, denn mit der Sammlung der Ahadith wurde erst etwa 150 Jahre später begonnen, wogegen die Sunna schon vom ersten Anfang an und Seite an Seite mit dem Heiligen Qur-ân existierte. Nach dem Heiligen Qur-ân gibt es keine Gottesgabe, für die wir Muslims so dankbar sein müssen wie für die Sunna. Für die Führung der ganzen Menschheit spendete Gott eigentlich nur zwei Lehrmittel:

  1. Durch das Heilige Buch, also durch Seine eigenen Worte, wies ER auf Seinen Willen und Sein Belieben, deren Erfüllung dem göttlichen Gesetz anhaftet.

Gott verpflichtete den Heiligen Propheten, durch tägliche Anwendung die segensreichen Wirkungen der qur-ânischen Lehren in jeder Hinsicht klar und deutlich zu beweisen. Dadurch schenkte Gott uns die Sunna; diese zeigt uns also, wie der Heilige Prophet alles das in die Tat umsetzte, was durch Gottes Wort gelehrt worden war; und durch sein tägliches Vorbild löste der Heilige Prophet eine Menge von Schwierigkeiten. Es ist nicht richtig, zu sagen, daß diese Aufgabe dem Hadith auferlegt worden sei, denn der Islam hatte ja seine Herrschaft auf der Erde schon lange aufgerichtet, bevor mit der Sammlung der Ahadith begonnen wurde. Verrichteten die Muslims ihre Gebete nicht schon lange vorher? Zahlten sie nicht die Zakat  oder vollzogen sie nicht den „Hadsch“ oder wußten sie noch nicht, was ihnen erlaubt war und was nicht?

zurück zur Übersicht

Unterstützende Stellung des Hadith

Als drittes Führungsmittel kann selbstredend auch das Haidth gelten, weil wir in ihm die volle Erklärung mancher geschichtlichen, ethischen und rechtlichen Probleme finden können; und die große Nützlichkeit des Hadith liegt in der Tatsache, daß es ein Diener des Qur-âns und der Sunna ist. Manche Leute wissen so wenig von der wirklichen Stellung des Heiligen Qur-âns, daß sie dem Hadith die Stellung eines Richters über den Qur-ân zuschreiben, wie es die Juden mit einigen ihrer Traditionen (hinsichtlich der Thora) machten. Wir aber betrachten das Hadith als ein Diener des Qur-âns und der Sunna; nun soll aber ein Diener keineswegs den Meister herabsetzen, sondern dessen Wichtigkeit und Erhabenheit geradezu hervorheben. Das Heilige Buch ist das Wort Gottes, und die Sunna ist die Tat des Heiligen Propheten.

Das Hadith aber ist ein unterstützendes Zeugnis für die Sunna Es ist falsch, zu sagen (Gott behüte uns davor!), daß das Hadith ein „Richter über den Heiligen Qur-ân“ sei. Wenn es überhaupt einen Richter über das Heilige Buch gibt, so ist es der Heilige Qur-ân selbst. Aber dem Hadith kann keine höhere Stellung zugestanden werden, da es ja irgendwie ein Element der Vermutung in sich birgt und also bestenfalls ein unterstützendes Argument sein kann. Der Qur-ân und die Sunna haben das ganze wirkliche Werk vollendet, das Hadith aber bringt nur etwas zusätzliche Bestätigung hinzu. Wie kann also das Hadith die Stellung eines „Richters“ über den Heiligen Qur-ân einnehmen? Das Heilige Buch und die Sunna erleuchteten die Menschheit schon zu einer Zeit, da von dem sogenannten „Richter“ noch nichts zu merken war. Sagt also niemals, das Hadith sei ein Richter über den Heiligen Qur-ân! Sagt vielmehr, daß das Hadith zusätzlich unterstützenden Beweis für den Qur-ân und die Sunna verschaffen kann. Selbstredend und zweifelsohne ist die Sunna der Ausdruck des qur-ânischen Willens und der Pfad, auf welchem der Heilige Prophet seine Gefährten stellte. Die Sunna ist nicht die Bezeichnung für Berichte, mit deren Niederschrift und Sammlung erst etwa hundert oder hundertfünfzig Jahre später begonnen wurde. Diese Berichte werden Ahadith genannt. Die Sunna dagegen ist das praktische Beispiel, das vom frühesten Beginn an das tägliche Tun und Lassen der damaligen Muslime bestimmte, also der Früh-Muslime, deren Anzahl nur einige Tausend betrug. Aber obgleich das Hadith nicht immer über alle Zweifel erhaben sein kann, so verdient es dennoch als nützlich angenommen zu werden, vorausgesetzt, daß es dem Heiligen Qur-ân nicht widerspricht. Als unterstützender Anhänger des Qur-âns und der Sunna nützt uns das Hadith auch als ein großes Archiv für mancherlei islamische Fragen.

Fehlende Würdigung des Hadith ist darum gleichbedeutend wie das Wegschneiden eines großen Teils des Islam-Körpers. Wenn aber ein Hadith dem Heiligen Qur-ân und der Sunna widerspricht, oder auch nur anderen Ahadith, die ihrerseits mit dem Heiligen Buch übereinstimmen, oder wenn ein Hadith dem „Sahih Buchari“ widerspricht, dann soll es selbstverständlich nicht angenommen werden; denn seine Annahme wäre gleichbedeutend mit Verwerfung des Heiligen Qur-âns und auch aller jener Ahadith, die mit dem Heiligen Buche übereinstimmen. Und einen solchen Glauben würde doch keine rechtschaffene Person unterschreiben wollen! – Auf jeden Fall sollt ihr das Hadith gebührend anerkennen und ihm möglichst viel Gutes entnehmen, denn die Ahadith kommen vom Heiligen Propheten, und wenn sie durch den Heiligen Qur-ân und durch die Sunna nicht verworfen werden, dann sollt auch ihr sie nicht verwerfen. Im Gegenteil: Das echte Hadith soll die Grundlage all eures Tuns und Lassens sein, sowie auch eurer Haltung bei Erfolg und Mißerfolg. Und wenn ein Hadith dem Heiligen Qur-ân widerspricht, dann sollt ihr versuchen, es durch bestmögliche Auslegung mit dem Qur-ân in Einklang zu bringen. Möglicherweise könnte der Widerspruch auf einer falschen Auslegung beruhen. Wo aber solch eine Übereinstimmung nicht möglich ist, da sollte das betreffende Hadith verworfen und ausgemerzt werden, weil es nicht vom Heiligen Propheten kommen kann. Aber ein Hadith, das als „schwach“ bezeichnet wird und trotzdem mit dem Heiligen Qur-ân übereinstimmt, muß angenommen werden, denn der Heilige Qur-ân hat es ja bestätigt.

zurück zur Übersicht

Prüfstein zur Beurteilung von Ahadith, die Prophezeiungen enthalten

Auch ein von den „Mohaddithin“ als „schwach“ beurteiltes Hadith, das aber eine Prophezeiung enthält, die dann in eurer eigenen Zeit oder etwas zuvor erfüllt wurde – ein solches Hadith muß als authentisch angenommen werden; dann müssen wir eben feststellen, daß alle diejenigen geirrt haben, die das betreffende Hadith als „schwach“ beurteilten und ablehnten, weil sie es für „fabriziert“ hielten. Es gibt Hunderte von Ahadith, die Prophezeiungen enthalten, und die meisten von ihnen sind von den „Mohaddithin“ als „fabriziert“ oder „mangelhaft“ bezeichnet worden. Wenn nun die Prophezeiung eines solchen Hadiths erfüllt ist, und ihr es trotzdem unter diesem oder jenem Vorwand zu verwerfen sucht, dann würde solch eine Verwerfung eure Ungläubigkeit beweisen, denn ihr würdet also ein Hadith verwerfen, dessen Zuverlässigkeit durch Gott Selbst festgesetzt worden ist, und zwar sogar in dem hohen Grade der Erfüllung der in dem betreffenden Hadith enthaltenen Prophezeiung. Vermutet nun einmal, daß tausend prophezeiende Ahadith von den „Mohaddithin“ für „schwach“ und „unannehmbar“ gehalten werden. Wenn nun die Prophezeiung eines solchen Hadith erfüllt ist, und ihr es trotzdem unter diesem und jenem Vorwand zu verwerfen sucht, dan würde solch eine Verwerfung eure Ungläubigkeit beweisen, denn ihr würdet also ein Hadith verwerfen, dessen Zuverlässigkeit durch Gott selbst festgesetzt worden ist, und zwar in dem hohen Grade der Erfüllung der in dem betreffenden Hadith enthaltenen Prophezeiung. Vermutet man einmal, dass tausend prophezeiende Ahadith von den „Mohaddithin“ für „schwach“ und „unannehmbar“ gehalten werden, und vermutet weiter, dass die darin enthaltenen Prophezeiungen erfüllt werden, würdet ihr dann diese Ahadith verwerfen und mit ihnen auch alle tausend Beweise für die Wahrheit des Islam! Wenn ihr sowas tut, so macht ihr euch zu Feinden des Islams und Gott sagt:

„ER offenbart nicht 'ghaib' (Zukünftiges), außer wenn ER dazu einen Apostel auswählt.“ (72,27-28)

Von wem kann also eine wahre Prophezeiung stammen, wenn nicht von einem wahren Propheten? Ist es dann also nicht ehrlicher zu sagen, daß der betreffende „Mohaddith“ sich insofern geirrt hat, als er ein wirklich ganz zuverlässiges Hadith als „schwach“ verworfen hat? Oder wäre es etwa besser für uns zu sagen, Gott Selbst habe „geirrt“, indem ER mit der Erfüllung der betreffenden Prophezeiung das prophezeiende, aber ein von Menschen als „schwach“ bezeichnete Hadith als ein echtes hervorhob? Deshalb sollt ihr grundsätzlich selbst einem „schwachen“ Hadith folgen, vorausgesetzt, daß es dem Heiligen Qur-ân und der Sunna nicht widerspricht, und auch nicht anderen Ahadith, die mit dem Heiligen Qur-ân übereinstimmen.

Auf jeden Fall muß dieses Problem mit größter Sorgfalt behandelt werden, denn tatsächlich gibt es eine große Anzahl von fabrizierten Ahadith, die im Islam sehr viel Spaltungen verursacht haben. Alle die streitenden Richtungen begründen ihren Standpunkt mit diesem oder jenem Hadith, das ihren Dogmen entspricht. So streiten sie sogar über die doch so klare und gut geregelte Vorschrift für die täglichen Pflichtgebete; z. B.: Ob das „Amen“ laut und für alle hörbar ausgerufen oder nur gelispelt, beziehungsweise bei sich gedacht werden soll; ob und wann die „Fatihah“ von der ganzen Gemeinde oder nur vom Imam rezitiert werden soll; ob die Hände auf der Brust oder etwas tiefer übereinander gelegt werden sollen usw. – Also, in den Ahadith liegt die wirkliche Ursache all dieser Streitereien.

zurück zur Übersicht

Befreiung von Sünde liegt in vollkommener Überzeugung

Oh ihr, die ihr den Herrn suchet, öffnet eure Ohren und höret: Merkt euch, daß nichts anderes als vollkommene Überzeugung euch von Sünde befreit; Überzeugung gibt euch die Kraft, Gutes zu tun; und Überzeugung allein kann euch in einen liebenden Diener Gottes verwandeln. Könnt ihr euch etwa ohne vollkommene Überzeugung vom Schlechten abwenden? Könnt ihr eure niederen Triebe zügeln ohne die Hilfe eines sicheren Lichtes? Kann irgend jemand ohne diese vollkommene Überzeugung eine wirkliche Besserung in sich selbst zustande bringen? Könnt ihr ohne diese vollkommene Gewißheit einigermaßen geistige Befriedigung und Seelenfrieden erreichen? Oder überhaupt echten Fortschritt und Erfolg gewinnen? Gibt es in der weiten Welt irgend eine Sühnung, die euch vor der Sünde erretten könnte? Ist Jesus, Sohn der Maria, so, daß sein vermeintlicher Tod die Sünde beseitigen könnte? O Christen, erzählt nicht eine Lüge, daß darob diese unsere Erde in Stücke zerbrechen möchte! Für seine eigene Befreiung war Jesus auf vollkommene Überzeugung angewiesen. Er glaubte mit voller Überzeugung, und er wurde befreit. Wehe darum jenen Christen, welche die Welt betrügen, indem sie behaupten, sie seien durch das „Blut“ Jesu Christi erlöst worden, und das noch, wenn sie von den Füßen bis zum Kopf im Bösen und Schlechten versunken sind. Sie wissen ja nicht einmal, wer eigentlich ihr Gott ist. Ihr Leben ist religiöse Gleichgültigkeit verbunden mit materiellem Genuß und Behagen; durch die Alkoholisierung ihres Gehirns und ihrer Nerven verloren sie jede Ahnung vom Leben mit Gott; deshalb haben sie keinen Anteil an den Früchten eines rein geführten Lebens. Also bedenket stets, daß ihr ohne feste Überzeugung weder aus der Finsternis herausfinden, noch den heiligen Geist bekommen könnt. Gesegnet sind die, welche diese Überzeugung haben, denn sie werden Gott sehen, und gesegnet sind die, welche von Ungewißheiten und Zweifeln befreit worden sind, denn sie allein sollen von ihren Sünden erlöst werden; und gesegnet werdet ihr sein, wenn euch dieser große Schatz fester Überzeugung gegeben wird, denn von jenem Tage an wird Sünde bei euch aufhören. Denn Sünde und Überzeugung vertragen sich nicht. Würdet ihr jemals bewußt mit bloßer Hand in einen Spalt greifen, in dem ihr eine giftige Schlange seht? Oder würdet ihr am Fuße eines Vulkans stehen bleiben, wo ein Hagel von rotglühenden Steinen euch trifft? Oder auf einem Berggipfel, der die Blitze eines Gewitters anzieht? Oder wo euch ein blutrünstiger Löwe angreifen könnte? Oder an einem Ort, wo eine tötliche Seuche wütet? Wenn ihr also mit ebenso fester Überzeugung an Gottes Strafe glaubt, wie ihr an die Gefahr einer giftigen Schlange oder eines Vulkans oder eines Blitzes glaubt, dann könnt ihr doch unmöglich Gott herausfordern und Seine Strafe auf euch ziehen, sei es durch Ungehorsam oder durch Mißachtung oder gar durch freche Verleugnung unserer Abhängigkeit von IHM.

Oh ihr Leute, die ihr zu Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit aufgerufen wurdet, seid ganz und gar versichert, daß die göttliche Anziehungskraft in euch zunehmen wird, und daß ihr von Sünde rein gewaschen werdet, aber erst dann, wenn eure Herzen randvoll sind von fester Überzeugung. Vielleicht sagt ihr jetzt oder später, daß ihr diese Überzeugung schon habet. Aber da solltet ihr sehr vorsichtig sein und nie vergessen, daß dieses Gefühl im Anfang meistens nur Selbsttäuschung ist. Diese feste Überzeugung ist ziemlich sicher meistens noch nicht in euch, denn ihr entfaltet noch nicht die geistige Verfassung, welche diese feste Überzeugung unbedingt und stets begleiten muß. Ihr habt euere sündhaften Wege noch nicht verlassen; ihr habt noch nicht den ersten Schritt getan, den ihr eigentlich in dem Augenblick hättet tun sollen, als ihr euch zu dieser festen Überzeugung bekanntet. Ihr fürchtet euch noch nicht, wie ihr solltet. Ihr könnt diese Frage sehr gut selbst ausdenken: Ein vernünftiger Mensch greift niemals mit bloßer Hand in eine Spalte, die er von einer giftigen Schlange besetzt weiß; noch ißt er jemals bewußt eine Speise, die er aus einem triftigen Grunde für vergiftet hält, noch begibt er sich bewußt in einen Dschungel, wo es tausend blutrünstige Löwen gibt. Wenn ihr aber gleichermaßen davon überzeugt seid, daß Gott euch für euren Lebenswandel bestrafen oder belohnen wird, wie könnt ihr dann eure Hände und Füße, eure Augen und Ohren sündigen lassen? Wie könnt ihr dann euch selbst in ein Feuer werfen, von dem ihr wisset, daß es euch zu Asche verbrennen wird? Und denket stets daran, daß die aus fester Überzeugung errichteten und gegen Sünde schützenden Bollwerke wirklich bis zu den Himmeln hinauf ragen, so daß, nachdem ihr selbst sie einmal erbaut habt, Satan sie nicht übersteigen und euch also auch nicht erwischen kann.

Jeder Gereinigte und Geläuterte ist allein durch feste Überzeugung gereinigt und geläutert. Nur die Überzeugung gibt euch die Kraft, Ungemach zu ertragen, sie kann sogar einen König überreden, von seinem königlichen Throne abzudanken und fortan das Leben eines Bettlers zu führen. Überzeugung löst alle Schwierigkeiten. Überzeugung befähigt einen Menschen, Gott zu sehen. Alle Ideen irgend eines sogenannten Sühneopfers sind falsch, denn Reinheit jeder Art kommt einzig und allein von fester Überzeugung. Sie und nur sie allein ist das einzige Mittel, das einen Menschen von Sünde befreit und ihn in Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit voranbringt. Man kann sogar die Engel darin übertreffen! Alle jene Religionen, die diese Festigkeit der Überzeugung nicht hervorbringen können, sind falsch. Und falsch sind jene Religionen, die nicht imstande sind, gegen jeden Zweifel einen überzeugenden Begriff von der Allgegenwart Gottes zu vermitteln; und falsch sind alle jene Religionen, die nichts anderes enthalten als eine handvoll Erzählungen und Fabeln über längst vergangene Dinge.

zurück zur Übersicht

Gebt euch nicht mit Fabeln zufrieden

Gott lebt heute noch, wie ER in den vergangenen Tagen lebte; Seine Kräfte bleiben ewig die gleichen und wirken heute noch unvermindert und gleich, wie sie schon in der Vergangenheit wirkten; also ist ER auch heute noch fähig, Zeichen zu zeigen, wie ER es früher schon war. Warum solltet ihr euch dann mit Geschichten und Fabeln zufrieden geben? Tot und zerstört ist jede Religion, die weiter nichts enthält als Geschichten von Wundern, die in der Vergangenheit gezeigt wurden; und ein totes Volk wäre dasVolk, auf das Gottes Gnade und Barmherzigkeit nicht herabkommt – ein Volk, zu dessen Reinigung und Läuterung sich nicht die göttliche Hand selbst hinab gestreckt hätte. Wie ein Mensch von den Freuden dieser Welt angezogen wird, wenn er ihre Reize mit seinen eigenen Augen sieht – gleichermaßen wird der Mensch von Gott angezogen, wenn er zu der vollkommenen Gewißheit gelangt, daß die geistigen Freuden noch süßer, aber auch nachhaltig stärkender sind. Die Berufung durch die göttliche Schönheit ergreift seinen Geist und sein Gemüt dermaßen, daß ihm alles andere als wertloser Abfall erscheint. Der Mensch wird nur dann von Sünde befreit, wenn er das überzeugte Wissen von Gottes Kraft und Allmacht und göttlicher Vergeltung erreicht. Unwissenheit ist die Wurzel jeder Fruchtlosigkeit; und unter denen, die an göttlicher Erkenntnis teilhaben, kann keiner gefunden werden, der der Gottesfurcht bar wäre. Wer sein Haus von einer reißenden Flut oder von Feuer bedroht weiß, der wird doch unverzüglich daraus fliehen. Wie könnt ihr dann wagen, auf eurem sündigen Lebenswege weiterzugehen, wenn ihr behauptet, von göttlicher Vergeltung und Belohnung überzeugt zu sein. Öffnet also eure Augen und studiert sorgfältig das Gesetz Gottes, das im Weltall wirkt. Benehmt euch nicht wie Ratten, die nur in der Erde wühlen und hausen; seid wie die Taube, die sich von der Erde lösen kann, und die sich am glücklichsten fühlt, wenn sie in der reinen Luft der hohen Regionen fliegt. – Nachdem ihr das“Bai’it“ in meine Hand versprochen habt, müßt ihr euch bessern und eure sündhaften Wege sorgsam meiden. Seid nicht wie die Schlange, die zwar ihre Haut abstreift, aber doch dieselbe Schlange bleibt. Vergeßt nie, daß der Tod euch jeden Augenblick näher kommt, obgleich ihr ihn nicht seht. Tut euer Bestes, um euch innerlich und äußerlich zu reinigen, denn nur der geläuterte und sich weiter läuternde Mensch erreicht die Nähe zu dem, was das Reinste vom Reinen ist. Der Weg zur Reinheit lieg im Gebet, das in wahrer Demut des Geistes dargeboten wird. Aber die aller wichtigste Frage ist die, wie man diese Gnade gewinnen kann. Auf diese Frage hat Gott selbst die Antwort gegeben. ER sagt:

„Suchet Hilfe von Gott mit Geduld und Gebet.“ (2:46)

Was ist „Salat“? Das ist ein Gebet, das mit wahrhaft gedemütigtem Geiste an Gott gerichtet wird; dabei muß der Betende bewußt und gefühlsmäßig ganz durchdrungen sein von der Einsicht, daß es nichts reineres und heiligeres, nichts vollkommeneres und mächtigeres gibt als Gott, und daß also IHM allein alles Lob und aller Dank gebührt; aus dieser vollen Überzeugung flammt dann der brennende Wunsch des Betenden nach göttlicher Vergebung seiner Sünden, aber auch nach weiteren Segnungen für den Heiligen Propheten. Ohne diese Überzeugung und Wünsche würden die Gebete und „Istighfar“ zur leeren Formsache, besonders bei Leuten, die den Sinn des vorgeschriebenen arabischen Gebetstextes nicht verstehen können. Deshalb sollt ihr euch bei euren Gebeten nicht auf den vorgeschriebenen arabischen Text beschränken, sondern überdies und außerdem eure Bitten an den Herrn noch in eurer eigenen Sprache aussprechen, und zwar innigst empfundener Demut, was eine dauerhafte Wirkung in eurem Sinn und Geist hinterläßt. Die arabischen Gebetstexte beruhen auf dem Heiligen Qur-ân, also auf Gottes Wort und teilweise auch auf dem echten Hadith, also auf dem Worte des Heiligen Propheten; um so weniger dürfen sie verständnislos heruntergeleiert werden, wie es unwissende Leute leider tun. Aber im richtig verstandenen und innigst empfundenen Gebet liegt das Heilmittel gegen alle kommenden Prüfungen und Trübsal. Ihr könnt ja nicht wissen, was der kommende Tag für euch bereithält. Betet also zu jeder Zeit, ehe der Tag vergeht, auf daß er für euch ein Tag der Segnungen und des Friedens sei.

zurück zur Übersicht

Oh ihr Reichen und Wohlhabenden

Oh ihr, die ihr reich seid, die ihr Könige seid, die ihr Wohlhabende seid: Unter euch gibt es wenige, die Gott fürchten und in allen Seinen Wegen wahrhaftig und standhaft bleiben. Die meisten von euch sind derart, daß sie ihre Herzen an die Reichtümer dieser Welt heften und ihr Leben vorwiegend oder ganz und gar weltlichen Dingen opfern, ohne überhaupt an das Jenseits zu denken. Jeder reiche Mensch, der sich nicht im Gebet an Gott wendet, oder der IHN sogar mißachtet, wird die Sünden aller jener auf sich ziehen, die ihm untergeben sind. Jeder reiche Mensch, der Alkohol trinkt, soll auch die Sünden aller seiner Untergebenen tragen, die mit ihm trinken. Oh ihr Klugen! Diese Welt wird nicht ewig dauern. Nehmt eine feste innere Haltung an! Gebt jedes Übermaß und jede Ausschweifung auf! Enthaltet euch aller Rauschgifte! Weine, Biere, Whiskies, Opium, „Gandscha“, „Tscharas“, „Bhang“, „Tarie“, und alle anderen Rauschgifte, durch deren Gebrauch ihr süchtig werdet, zerstören das Gehirn und erweisen sich deshalb als äußerst verhängnisvoll, ja sogar tödlich.

Von allen diesen Dingen sollt ihr euch fernhalten. Überhaupt können wir gar nicht verstehen, wie und weshalb ihr zu Dingen greift, die doch alljährlich den offensichtlichen Beweis erbringen, daß sie Tausende von Menschen zuerst in Müßiggang und dann in den Tod ziehen, ganz abgesehen von der kommenden Strafe im Jenseits, die noch viel schlimmer sein wird als die diesseitigen Nachteile all dieser Rauschgifte. Werdet rechtschaffen und gottesfürchtig, auf daß ihr ein längeres und von Gott gesegnetes Leben führen könnt. Schwelgerisches Leben ist ein Fluch; ebenso schlecht gesittet und herzlos ist es, vor dem Leid anderer gleichgültig zu bleiben.

Genauso wie ein armer Mensch schuldet jeder Reiche seinem Schöpfer Rechenschaft über die gebührende Erfüllung seiner Verpflichtungen gegen seine Mitmenschen. Ja, die Verantwortung eines Reichen ist sogar noch größer. Wie unglückselig ist doch jeder, der seinem kurzen diesseitigen Leben zuliebe sich ganz und gar von Gott abwendet und verbotene Dinge mit solcher Furchtlosigkeit gebraucht, als wären sie erlaubt; und der im Zorn wie ein Wahnsinniger gegen andere Leute tobt und sie mit Verleumdungen und vielleicht sogar mit Schlägen verletzt oder gar zu töten droht; und der sich von seinen Gelüsten zu äußerster Schamlosigkeit hinreißen läßt. Solch einer wird niemals wirkliches Wohlergehen kennen. O meine Lieben! In dieser Weit seid ihr nur für wenige Tage, und ein großer Teil von ihnen ist schon vorbei. Erzürnt euren Meister nicht! Sogar eine weltliche Regierung kann euch vernichten, wenn sie über euch erzürnt ist. Wieviel mehr ziemt es sich also für euch, euren Schöpfer nicht zu erzürnen! Niemand kann euch vernichten, solange ihr in den Augen eures Herrn rechtschaffen seid. ER Selbst wird euch beschützen, und nicht einmal euer gefährlichster Feind soll euch schaden können. Sonst gibt es keinen Schutz für euch, und ihr müßtet in ständiger Furcht vor euren Feinden leben müssen, gehetzt und rastlos, voll von schlimmen Vorahnungen; und die letzten Tage eures Lebens müßtet ihr in großer Seelenpein verbringen. Gott Selbst wird der Beschützer derer, die zu IHM stehen. Kommt also zu Gott und lasset ab von jeglicher Auflehnung gegen IHN. Seid nie nachlässig in der Erfüllung der Verpflichtungen, die ER euch auferlegt hat. Unterdrückt niemals Seine Geschöpfe, weder mit Hand noch mit Worten; und vor dem Zorn des Himmels fürchtet euch stets, denn in der Gottesfurcht liegt der einzige Weg zur Erlösung.

zurück zur Übersicht

Oh ihr Gelehrten des Islams

Oh ihr Gelehrten unter den Muslimen! Seid nicht so voreilig, mich als falsch zu verwerfen! Es gibt viele tiefe Geheimnisse, die der Mensch nicht sofort und alle auf einmal verstehen kann. Ihr sollt also nicht zum Voraus bereit sein, etwas für euch Neues – kaum habt ihr es gehört – schon zu verwerfen, denn das ist nicht der Weg der Rechtschaffenheit. Hätte es unter euch keine Irrtümer gegeben, und hättet ihr gewisse Ahadith nicht in einem entgegengesetzten Sinn ausgelegt, dann wäre die Ankunft des Verheißenen Messias, als ein Richter unter euch, überflüssig gewesen. Die Mission, die ihr dieser Ankunft beimesst, nämlich, daß er seine Kräfte mit denen des „Mahdi“ vereinigen würde, um durch Krieg alle Leute zwangsweise zum Islam zu bekehren, dieser Glaube bringt dem Islam nur Schande. Wo steht überhaupt im Qur-ân geschrieben, daß Krieg für die zwangsweise Verbreitung der Religion zulässig sei? Im Gegenteil, wir finden, daß Allah im Heiligen Buch sagt:

„In Glaubensdingen gibt es keinen Zwang.“ (2:257)

Woher denn also sollte der Messias, Sohn der Maria, das Recht bekommen, andere Menschen mit Gewalt zum Islam zu bekehren? Der ganze Qur-ân ist voll von Versen, die lehren, daß es in Religionsfragen keinen Zwang geben darf; und es ist absolut klar, daß wenn der Heilige Prophet das Schwert zog, er das nicht zur Verbreitung des Islams tat, sondern: 1. Als eine gebührende Bestrafung derjenigen, die eine große Anzahl von Muslimen getötet und viele andere Muslime von ihren Heimstätten vertrieben hatten. Wir lesen darüber im Heiligen Buche:

„Erlaubt wurde jenen, die kämpfen, denn sie sind unterdrückt worden, und Allah hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen (trotz der Übermacht ihrer Feinde).“ (22:40)

2. Oder diese Kriege waren defensiv und richteten sich gegen Leute, die jeden Stein umdrehten, um den Islam auszutilgen und durch Waffengewalt seine Verbreitung aufzuhalten.

3. Oder jene Kriege wurden von Muslimen geführt, um die rechtmäßige Freiheit wiederherzustellen.

Abgesehen von Feldzügen, die für eines dieser drei Ziele unternommen wurden, führten der Heilige Prophet und seine Khalifen keinen Krieg. Im Gegenteil: Bevor der Islam zur Selbstverteidigung die Waffen ergriff, erduldete er die Unterdrückung gegen ihn mit einer Seelenstärke, für die es in der Geschichte anderer Völker kein Beispiel gibt. Welcher Art Messias und Mahdi würden also denn diese sein, die ihre Mission damit einleiten würden, ihren Widersacher von Anfang an das Recht auf das Schwert zu verschaffen?

zurück zur Übersicht

Landesübliche „Gaddi-Naschins“ und „Pirzadas

In ähnlicher Weise sind die Erb-Häuptlinge der sogenannten geistlichen Orden und die „Pirs“ dieses Landes so weit vom Islam abgewichen und Tag und Nacht mit ihren verderblichen Neuerungen beschäftigt, daß sie keine Ahnung haben von den schwierigen Zeiten, die der Islam gegenwärtig durchmachen muß. Wenn ihr ihren Versammlungen beiwohnt, so werdet ihr sehen, wie diese Leute sich über Musikinstrumenten und in „Qawwalis“ beugen und schwingen und zahlreiche „Bid'ats“ bezeugen, anstatt im Heiligen Qur-ân und im Hadith zu lesen. Aber trotz alledem erheben sie Anspruch darauf, als religiöse Führer und Nachfolger des Heiligen Propheten zu gelten.

Zwar kann jedermann das Recht beanspruchen, Gott zu lieben. Aber nur der liebt Gott wirklich, dessen Liebe zu Gott vom Himmel bezeugt wird. Jedermann erhebt den Anspruch, ein Anhänger der wahren Religion zu sein, aber nur die Religion ist wahr, deren Anhänger in seinem eigenen Leben selbst Licht bekommt.

Und jedermann sagt, er werde Erlösung erlangen, aber diesen Anspruch zu erheben ist nur der berechtigt, dem in diesem irdischen Leben selbst Licht gegeben wird.

zurück zur Übersicht

Mein liebes Volk! Jetzt ist die Zeit, um der Sache der Religion zu dienen

Mein liebes Volk! Dies ist die Zeit für den Dienst an der Religion, zu der euch zu bekennen ihr Anspruch erhebt. Begreift den Wert dieser seltenen Gelegenheit, denn wenn ihr sie verschlafet, wird sie sich euch nicht ein zweites Mal anbieten. Warum verliert ihr den Mut, als Anhänger eines so großen und erhabenen Propheten? Bleibet fest im Glauben und gebt ein Beispiel, daß sogar die Engel im Himmel sich über eure Kraft und Standhaftigkeit wundern und um Segnungen für euch beten.

Damit beende ich und bete, daß diese meine Lehre für euch fruchtbar sein und in euren Herzen einen Wandel bewirken möge, der euch wie Sterne auf dieser Erde machen soll, so daß ihr den Globus mit dem Lichte und dem Leben erfüllet, das ihr vom Herrn bekommt. Amen!

zurück zur Übersicht
 

Startseite

Islam - Ahmadiyya

Häufig gestellte Fragen über Islam

Deutsche Übersetzung des Heilige Qur-âns